Kritik zu Résistance – Widerstand

© Warner Bros. Pictures

Der frühe, nicht lustige Marcel Marceau: Jonathan Jakubowicz verfilmt die Zeit des Pantomimen beim französischen Widerstand

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Marcel Marceau mag der berühmteste Pantomime der Welt gewesen sein, gefeiert am Broadway und in Hollywood genauso wie auf deutschen Bühnen, verehrt von Rudolf Nurejew und Mel Brooks (der ihn in »Silent Movie« besetzte). Doch so filmtauglich sie sein mag, so wenig erzählt »Résistance – Widerstand« von dieser Erfolgsbiografie. Stattdessen konzentriert sich der Film, dessen Protagonist der von Jesse Eisenberg verkörperte Marceau nun ist, auf die frühere, unbekanntere Seite seines Lebens.

Von seinem Metzgervater (Karl Markovics) wird der junge Marcel mit seinem Traum vom Erfolg als Schauspieler und Maler im Straßburg der 30er Jahre nicht ernst genommen und als Clown verlacht, doch gerade Kinder lassen sich gern von seinen Talenten verzaubern. Diesem jungen Publikum widmet er sich verstärkt, als der Zweite Weltkrieg ausbricht und die Familie fliehen muss. 

Immer stärker wird Marcel – halb zufällig, halb widerwillig – in die Arbeit der französischen Widerstandsbewegung involviert, für die sich sein Bruder (Félix Moati), sein Cousin (Géza Röhrig aus »Son of Saul«) und die Frau seiner Träume (Clémence Poésy) engagieren. Bald ist er nicht nur mit dem Fälschen von Pässen beschäftigt, sondern auch Vermittlungsmann zu General George S. Patton (Ed Harris) bei der US-Armee und immer wieder damit beschäftigt, jüdische Kinder in die Schweiz zu schmuggeln, während Klaus Barbie (Matthias Schweighöfer, der mit seiner Firma auch an der Produktion beteiligt war) und die Gestapo immer gnadenloser Jagd auf die Résistance machen.

Eigentlich tappt Regisseur Jonathan Jakubowicz – polnisch-jüdischer Abstammung, geboren in Venezuela und zuletzt für den Boxfilm »Hands of Stone« mit Édgar Ramírez und Robert de Niro verantwortlich – bei »Résistance – Widerstand« in fast alle Fallen, die das Genre des Weltkriegsdramas bereithält. Die Farbgebung ist erwartbar sepialastig, der Score von Angelo Milli aufdringlich pathetisch, die fiktionale Anreicherung der wahren Begebenheiten (etwa die Romanze) überflüssig und die Nähe zum Kitsch stets ein bisschen zu unmittelbar. Es wäre also ein Leichtes, den Film als über-konventionell und oberflächlich abzutun.

Umso bemerkenswerter ist es, dass man sich der Kraft und Faszination dieser bemerkenswerten, tragischen und berührenden Geschichte dennoch kaum entziehen kann. Jakubowicz' glatter Inszenierung oder seinen selbst verfassten, oft schlichten Dialogen ist das weniger zu verdanken, seinem hochkarätigen Ensemble schon eher. Aber vor allem ist es wohl so, dass man an die Wirkungsmacht von Menschlichkeit und Kunst im Angesicht tiefster Dunkelheit gar nicht oft genug erinnert werden kann. Und dass Marceau, den Eisenberg erfreulicherweise als nicht uneingeschränkt sympathischen Strahlemann zeigt, eben tatsächlich ein wie fürs Kino gemachter Held gewesen ist.

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