Kritik zu Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten

© Disney

2011
Original-Titel: 
Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides
Filmstart in Deutschland: 
19.05.2011
L: 
141 Min
FSK: 
12

Mit leicht verändertem Konzept und neuem Personal geht das Piraten-Franchise in die vierte Runde. Johnny Depp und sein schräger Humor sorgen dabei für Kontinuität

Bewertung: 3
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Erst einmal sieht es gar nicht gut aus für den berühmtesten Piraten der Filmgeschichte. Eben noch hat er sich als Richter ausgegeben und einen vollbesetzten Verhandlungssaal genarrt, dann aber haben ihn Soldaten in eine Falle gelockt. Nun sitzt er an einen Stuhl gekettet vor dem englischen König und muss mit allem rechnen. Vielleicht gar mit der Todesstrafe. Oder, schlimmer noch, mit dem Angebot, der Krone zu dienen. Und woran denkt Jack Sparrow? An Flucht, Widerstand, Kooperation? Nichts da. Er träumt von dem Windbeutel, den er vor dem Verhör von der üppig gedeckten Tafel geklaut und mit einem Fußtritt zum Kronleuchter hinaufbefördert hat. Wenn Sparrow einige Wort- und Säbelgefechte später an einer gigantischen Vorhangkordel durch den Raum schwingt, dann nicht bloß um zu fliehen, sondern vor allem, um an das Gebäckstück zu gelangen und es genüsslich zu verspeisen. Alles andere: Nebensache.

Wie ein Kurzfilm mutet die Szene an, wie eine abgeschlossene Einheit, die auch für sich stehen (und bestehen) könnte. Im Grunde reiht Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten ausschließlich solche Miniaturen aneinander. Immer geht es darum, wie einer irgendwo rein- oder rauskommt, wie eine Probe bestanden oder eine Bedrohung überstanden wird. Das große Ganze – die Suche nach dem geheimnisvollen Quell ewiger Jugend – gerät dabei immer wieder in Vergessenheit und ist am Ende kaum mehr als ein MacGuffin.

Der Spaß kommt vielmehr aus den Schlangenlinien, die alle Beteiligten auf dem Weg zu ihrer ominösen Bestimmung vollführen. Und aus den ständig wechselnden Allianzen und Zerwürfnissen zwischen Sparrow (Johnny Depp), seiner undurchsichtigen Ex Angelica (Penélope Cruz), dem finsteren Blackbeard (Ian MacShane) und dem nun unter britischer Flagge segelnden Barbossa (Geoffrey Rush). Das Ziel sei doch gar nicht so wichtig, erklärt Sparrow seinen verblüfften Mitstreitern am Ende, auf den Weg komme es an. Aber auch das ist, wie alles hier, ein Joke, irgendwie ironisch, irgendwie albern, irgendwie nett, irgendwie blöd.

Dabei hätte es diese Fortsetzung der Pirates of the Caribbean-Reihe eigentlich gar nicht geben sollen, glaubt man zumindest den Ausführungen Jerry Bruckheimers rund um die Produktion des dritten Teils. Der Erfolg ließ dem Disney-Konzern damals jedoch keine andere Wahl, als das Franchise in eine weitere Runde zu schicken. Ein neuer Regisseur, andere Stars – nur Depp und Rush sind noch an Bord –, die unvermeidliche Umstellung auf 3-D und die Entscheidung, fortan in sich geschlossene Plots zu erzählen: Das alles weist auf einen grundlegenden Neubeginn hin, gleichzeitig wurde der Produktion ein gewaltiger Sparkurs verordnet, den man dem Film durchaus ansieht. Es wird jetzt öfter auf Dialogwitz gesetzt als auf aufwendige Spezialeffekte, und auch die Schlachtengemälde geraten weniger opulent als früher: Einmal begegnen sich Spanier und Briten auf hoher See, und während die Engländer unverzüglich in Stellung gehen, werden sie von den Iberern schlichtweg ignoriert. Die haben es so eilig, als erste den Jungbrunnen zu erreichen, dass sie den standesgemäßen Schlagabtausch einfach ausfallen lassen, sehr zur Freude der Herstellungsleitung.

Da die Kanonen schweigen, ist diesmal Hans Zimmers Musik fürs Gedonner zuständig. Sie überhöht jede, aber auch jede Entwicklung aufs Penetranteste, setzt unnötig viele Blockbuster-Duftmarken, als wolle sie die Emotionen ins Unermessliche steigern. Das verleiht dem Film ohne Not etwas Angestrengtes, Verkrampftes, wo er durchaus auf seinen Humor vertrauen könnte.

Johnny Depps 55 Millionen Dollar teures Freibeuter-Unikat (übrigens mehr als ein Viertel des Budgets) agiert nämlich durchaus lustund espritvoll und liefert genau die Art von Unterhaltung, die seine Fans von ihm erwarten: süß und luftig, üppig und verführerisch, nicht besonders nahrhaft, aber auch nicht weiter schädlich. Wie ein Windbeutel eben.

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