Kritik zu Minions & Monster
In ihrem neuesten Film erobern die gelben Chaos-Figuren das Hollywood der 20er Jahre und bieten eine Hommage an die Filmgeschichte.
Wie kann es sein, dass zwei der Minions, dafür bekannt, durch ihre Inkompetenz fortwährend Chaos zu verursachen, plötzlich ihren Platz in Hollywoods Filmmuseum gefunden haben? Und zwar nicht als die populären Leinwandfiguren, als die sie sich in sechs vorangegangenen Langfilmen erwiesen haben, sondern als Pioniere hinter der Kamera? Diese Frage stellt sich nicht nur ein kleines Mädchen, das mit seinen Klassenkameradinnen an einer Führung teilnimmt, auch der Zuschauer stellt sie sich.
Bislang zeichneten sich die gleichermaßen liebenswerten (weil kindlich-chaotischen) kleinen gelben Wesen in ihren blauen Overalls dadurch aus, dass sie fortwährend auf der Suche nach einem bösen Herrscher waren, dem sie dienen konnten. Als Helfer des Superschurken Gru erblickten sie 2010 in »Ich – Einfach unverbesserlich« das Licht der Leinwand und füllten diese Rolle in den bislang drei nachfolgenden Filmen der Reihe aus, bekamen daneben 2015 ihre eigene Filmreihe. »Minions & Monsters« ist der dritte Film davon – und der erste, der Neuland betritt. Denn in seinem Zentrum stehen einige Minions, die nicht länger als Helfershelfer die Träume verrückter Krimineller unterstützen wollen, sondern ihre eigenen. Als kreativer Zeichner hat James die Idee, die von ihm gezeichneten Monster in einem Film lebendig werden zu lassen. Das ist die zweite Besonderheit dieses Minions-Films – er ist im Hollywood der zwanziger Jahre angesiedelt und eine Liebeserklärung an das Filmemachen.
Wenn die Minions in einer Verfolgungsjagd landen, dann stellt sich diese am Ende als Teil der Dreharbeiten eines Spielfilms heraus, dessen Finale die Minions durch ihren gut gemeinten Einsatz im Chaos versinken lassen. Regisseur Max (im Original wie in der deutschen Synchronfassung mit kräftigem Akzent von Christoph Waltz gesprochen) sieht sein letztes Stündlein geschlagen, als er das fertige Werk, seinen schmächtigen Körper auf einer Couch eingeklemmt zwischen die massigen Körper der Studiochefs, der Brüder Bill und Bob, anschaut. Doch denen gefällt, was sie sehen. Die Minions werden zu Stars, nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera. Doch der Karriereknick folgt mit der Durchsetzung des Tonfilms, denn ihre unverständliche Sprache haben sie nie abgelegt.
James, unterstützt von seinen Freunden Henry und Ed, allerdings hält an seinem Traum fest: einen Film mit den von ihm gezeichneten Monstern zu drehen. Monster passen zum produzierenden Studio Universal, das in den dreißiger Jahren mit »Dracula«, »Frankenstein«, »The Wolf Man« und »Die Mumie« klassische Ikonen des Genres hervorbrachte und sich hier augenzwinkernd aus dem eigenen Fundus bedienen kann. Glücklicherweise sind die Verweise nicht auf Werke von Universal beschränkt, besonders der physischen Komik von Darstellern wie Charlie Chaplin, Buster Keaton und Harold Lloyd wird Tribut gezollt. Das macht den Mittelteil dieses Films auch für erwachsene Cineasten spannend, die mit den Albernheiten der Minions bisher nicht viel anzufangen wussten, während der erste Teil, in dem eine Museumsführerin durch einen Sprung zurück in die Geschichte die Schulkinder über die Minions aufklärte, eine in ihrer Verknappung höchst gelungene Tour de Force war. Leider setzt der finale dritte Teil, in dem gezeichnete und Filmmonster real werden und die Welt bedrohen, dann zu sehr auf Bewährtes und kulminiert einmal mehr in einer großen Schlacht zwischen Gut und Böse. Dennoch bleibt »Minions & Monsters« ein Film, der durch die Weiterentwicklung seiner Figuren (und seine Hommage ans Filmemachen) erfreut.




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