Kritik zu Messi and Maud

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Marleen Jonkman greift in ihrem Langfilmdebüt das Thema Kinderlosigkeit auf und erzählt im Gewand des Roadmovie von einer Krise und einer Heilung

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Angesichts aktueller Gleichstellungsdiskussionen auch in der Filmbranche können sich viele eine Scheibe bei Marleen Jonkmans Langfilmdebüt »Messi and Maud« abschneiden: Der Film wurde geschrieben, umgesetzt und produziert von Frauen und erzählt sensibel die Geschichte einer Frau. Oder besser gesagt die Geschichte einer Frau auf einer emotionalen Tour de Force, die mit der Tatsache zurechtzu­kommen versucht, dass sie keine Kinder bekommen kann. Ein oft tabuisiertes ­Thema, an dem sich Jonkman mit ihrer ­fantastischen Hauptdarstellerin Rifka ­Lodeizen abarbeitet.

Lodeizen spielt Maud, die mit ihrem Freund Frank (Guido Pollemans) in Chile unterwegs ist. Der unerfüllte Kinderwunsch wiegt schwer, die Reise soll eine kathartische sein, die einen Neuanfang bringt. Aus der konstruierten Zweisamkeit wird allerdings schnell Einsamkeit, als Maud nach einem Streit wütend abdampft, um sich alleine durchzuschlagen. Auf ihrer Tramping-Tour kommt es zu einer jener schicksalhaften Begegnungen, von denen das Kino gerne erzählt: Nachdem sie von Messis Vater (Cristóbal Farias), einem rüpelhaften LKW-Fahrer, der sie mitnimmt, fast vergewaltigt wird, flieht sie mit dem Jungen. »Lass uns ein Spiel spielen: Ich bin deine Mutter«, erklärt Maud Messi später und natürlich hat diese Beziehung etwas Heilendes.

Malerische Landschaften, eine Haupt­figur, die sich selbst sucht, ein ausdrucksstarker Soundtrack, der die Bilder emotional auflädt – Jonkmans Debüt ist ein klassisches Roadmovie im Gewand des europäischen Arthouse-Films. Fast dokumentarisch fotografiert Kameramann Jeroen de Bruin die Reise, die in Patagonien ihren Anfang nimmt und in der 4 500 km nördlich gelegenen Atacama-Wüste endet, auch werden viele Dinge mehr angedeutet denn auserzählt. So ist Jonkman ihrer Hauptfigur zugleich nah und fern, zeigt sie voller Empathie als sprunghaft handelnden, komplexen Menschen. Ganz anders Frank, der mit Phrasen wie »Ich hab dich nicht wirklich gesehen« als nervige reflektierende Stimme aus der Vergangenheit auf Mauds Anrufbeantworter gegenwärtig bleibt.

Allmählich macht Maud eine Metamorphose durch, die in den Bildern ihre Entsprechung findet. Der anfänglich oft graue Himmel und ihr Unbehagen gegenüber der Natur weichen sonnendurchfluteten Einstellungen und neuer Lebenslust. Die Reise geht durch ländliche Gegenden, das ungleiche Paar erlebt eine Nacht bei einer Hippie-Kommune am Meer und steuert später auf das unausweichliche Ziel zu. Denn der Junge wird gesucht, wie Maud spätestens beim Blick auf die Titelseite einer Zeitung merkt.

Nachdem Maud einigen Reisebekanntschaften, etwa einer jungen Mutter, deren Kind sie kurz entführt, Märchen von toten Ehemännern und eigenen Kindern aufgetischt hat, erzählt sie später einmal ihre wahre Geschichte. Es ist ein steiniger Weg zur Akzeptanz dieser schmerzhaften Wahrheit. Das mag kein wirkliches Happy End sein, aber ein wichtiger erster Schritt für die ­Heilung.

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