Kritik zu Merida – Legende der Highlands

© Disney

Diesmal vor allem nett: Die neue Pixar-Produktion sieht toll aus, gibt sich aber mit einer konventionellen Story zufrieden

Bewertung: 3
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3 (Stimmen: 2)

Es musste ja irgendwann so kommen, werden jetzt einige sagen. Ein Film, der ganz normal ist, alltäglich fast. Und gar nicht incredible. Denn der besondere Touch fehlt, diese freche, quirlige Andersartigkeit, diese originelle, einzigartige Vision. Und der nach all den Meisterwerken und Superlativen, den erzählerischen Innovationen und kreativen Explosionen eigentlich eine Enttäuschung darstellt, eine Entzauberung gar. Pixar, die geniale kalifornische Animationsschmiede, für die es immer und immer nur weiter nach oben ging: auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

Merida – Legende der Highlands heißt dieser Film, Brave im Original, und auch wenn das vor allem als Anspielung auf den als »Braveheart« gefeierten schottischen Freiheitskämpfer William Wallace verstanden werden darf, springt doch ins Auge, dass Brave eines nicht ist: mutig. Die Story der jungen Prinzessin, die gegen die gestrengen mütterlichen Anordnungen rebelliert und damit ein schönes Chaos anrichtet, ehe am Ende Gerechtigkeit und Girliepower obsiegen, ist vielmehr das Konventionellste und Vorhersehbarste, was das Studio bislang unter dem Banner der hüpfenden Schreibtischleuchte hervorgebracht hat. Merida spielt in einer anderen Liga als Toy Story, Findet Nemo, Wall-E und all die anderen CGI-Meilensteine. Zusammen mit dem wenig bemerkenswerten Cars 2 aus dem Vorjahr könnte man fast schon von einer Krise sprechen, vielleicht gar vom Ende der Erfolgssträhne.

Aber halt, wir jammern hier doch auf sehr hohem Niveau. Inszeniert von Mark Andrews und Brenda Chapman, zwei Aufsteigern in der Pixar-Hierarchie, liefert das bunte Abenteuermärchen zumindest in ästhetischer Hinsicht die gewohnten Standards. Auch wenn man es inzwischen kaum für möglich halten mag, so gelingt es den Effekt-Departments doch immer noch, die Qualität des Animationslooks zu steigern. Die schottischen Highlands, in denen die mutige Titelheldin zwischen väterlicher Burg und verwunschenem Hexenhaus für die eigenen Rechte kämpft, erstrahlen in spektakulärstem Grün, während das Fell der in sehr unterschiedlichen Inkarnationen auftretenden Bären geradezu atemberaubend realistisch wirkt. Alles hier ist state of the art, großartig und betörend, wie Zeichentrick nur sein kann (falls die Vokabel noch erlaubt ist), und selbst die 3-D-Umsetzung bietet keinerlei Anlass zur Kritik, so klug, dezent und vielschichtig spielen die Filmemacher mit der Tiefe des Raums.

Auf der technischen Ebene knüpft Merida also nahtlos an die früheren Pixar-Produktionen an. Flott und gut gelaunt erzählt, ist das durchaus perfekt konfektioniertes Entertainment, ein gelungener Familienspaß. Die hintergründige Ironie der Monster AG oder das sinnliche Raffinement eines Ratatouille sucht man allerdings vergeblich, ebenso den Anspielungsreichtum und die erwachseneren Themen, die sonst so elegant in die Geschichten eingewebt sind. Mit seinem ersten period picture macht Pixar stattdessen einen großen Schritt in Richtung der Mutter-Company Disney,deren Formeln hier offensichtlich Teil der Gleichung sind. Und auch das musste ja irgendwann so kommen.

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