Kritik zu Memory Games

© Neue Visionen Filmverleih

Wer memoriert am besten? Janet Tobias und Claus Wehlich begleiten in ihrer ­Dokumentation eine Reihe von semi-professionellen Gedächtniskünstlern bei ihren Wettbewerben

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Das Gedächtnis ist eines der faszinierendsten Bewusstseins-Phänomene und ein nützliches Werkzeug. Es ist auch Grundlage einer Sportart, bei der die Bewegung ausschließlich im Kopf stattfindet. Um ihn geht es in diesem Film, der Titel ist also ganz wörtlich zu nehmen. Dafür nehmen Janet Tobias und Claus Wehlich vier trainierende Gedächtniskünstler (drei Männer, eine Frau) näher in den Blick und begleiten sie durch einen langen Countdown an Orten und Wettbewerben bis zur Weltmeisterschaft in Djakarta.

Die erste Faszination an den Einblicken in diese Spezialwelt ernüchtert sich im Fortlauf des Films schnell. Denn die insgesamt zehn memotechnischen Disziplinen mit minutenlangem Aufsagen von Zahlenreihen geben visuell wenig her, werden aber (mit untermalender Musik) ausführlich erzählt. Und da die vier Kandidaten sich recht ausschließlich über ihren ausgeprägten Wettbewerbsgeist definieren, bleiben sie auch als Figuren eher eindimensional. Parallel zum Fortgang der Spiele gibt es eine kleine Einführung in die Techniken mnemotechnischer Visualisierung, die mit illustrierenden Animationen aufgemotzt sind, im Laufe des Films aber zunehmend redundant werden.

Offensichtlich haben die Filmemacher kein Gespür für Situationen, wo es auch für Nicht-Sportler spannend werden könnte: Etwa wenn die mongolische Kandidatin im Nationalmuseum von Ulan Bator die starken Leistungen ihrer Nation im Gedächtnis-Training mit der dortigen Bilder-Kultur erläutern will, die Kamera die entsprechenden Objekte aber nicht einmal richtig in den Blick bringt. Enttäuschend auch, dass alle nicht messbaren Aspekte des Erinnerungsvermögens bis auf Gemeinplätze (»Kultur ist im Kern Erinnerung«) ausgeklammert bleiben. So dürfte »Memory Games« am Ende nur für diejenigen von Interesse sein, die selbst eine starke kompetitive Gesinnung mitbringen. Zudem betreibt der Film eine ärgerlich gender-stereotype Bildpolitik.

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