Kritik zu Mein liebster Alptraum

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Gegensätze sind immer gut: Die französische Regisseurin Anne Fontaine bringt in ihrer neuen Komödie erstmals die unterschiedlichen Temperamente von Isabelle Huppert und Benoît Poelvoorde zusammen

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Sympathisch ist die arrogante Kunstbetriebstante Agathe wirklich nicht. Patrick macht einem die Annäherung mit subproletarischem Witz etwas leichter, wären da nicht die grässlichen Sexismen. Eigentlich also sind die beiden – als Figuren wie als Darsteller – für die Komödie das ideale Paar. Doch sie waren noch nie zusammen auf der Leinwand: Isabelle Huppert und Benoît Poelvoorde. Zusammengebracht hat sie jetzt Regisseurin Anne Fontaine m– mit fast zwanzig Dienstjahren eine erfolgreiche Produzentin meist gediegener Unterhaltung, die, eher rar im Geschäft, oft auch ihre Drehbücher selber verfasst.

Wie der ebenfalls anlaufende Ziemlich beste Freunde gehört Mein liebster Alptraum (der französische Originaltitel lautet Mon pire cauchemar, spricht also vom schlimmsten Alptraum) zu der höchst populären Filmfamilie, die – quer durch die Genres und mit ganz unterschiedlichem Ausgang – soziale Gegensätze aufeinander loslässt und gegeneinander durchdekliniert: In diesem Fall als romantische Screwballkomödie um die erfolgsverwöhnte erfolgreiche Galeristin Agathe (Huppert), die mit Ehemann François (André Dussollier) und halbwüchsigem Sohn Adrien (Donatien Suner) eine vornehme Behausung samt Bonne in bester Pariser Innenstadtlage bewohnt. Adrien ist ein Schulversager, und auch im Eheleben herrscht schon lange angespannte Verfrostung statt Feuer, als das Drehbuch den arbeits- und fast obdachlosen Handwerker Patrick (Poelvoorde) in ihr Leben schleust. Der – großmäulig, trunksüchtig und von jeder noch so überdimensionierten weiblichen Rundung besessen – ist der Vater von Adriens hochbegabtem besten Freund. Agathe (so fleischlos, dass der Zuschauer manchmal denkt, der Vorführer hätte versehentlich das Format vertauscht) ist entsetzt, welcher Typ da in ihre bourgeoise Wohnwelt hereinbricht. Doch François gefällt der Mann irgendwie, außerdem gibt es eine Restbaustelle im Schlafzimmer, und Handwerker sind rar in Paris. So geht Patrick bald täglich in Agathes Reich ein und aus – und Ehemann François macht über den neuen Kumpel flirtuöse Bekanntschaft mit dessen Sachbearbeiterin auf dem Amt, einer jungen und heißen Adeptin spiritueller und körperlicher Abenteuer, die den nicht mehr ganz so jungen François zu neuen Herausforderungen treibt.

Natürlich – so viel darf man verraten – kommen sich auch die Galerieherrin und ihr Maurer näher. Poelvoorde, im echten Leben wie im Film mit provinzbelgischem Migrationshintergrund, macht seine Sache mit vertrauter Verve. Der Funkenflug zwischen den beiden ist nicht gerade großbrandgefährlich, doch für ein anheimelndes Feuerchen reicht allein ihre Professionalität allemal. Dass auch Huppert komisch kann, wissen wir spätestens seit Alexandra Leclères Zwei ungleiche Schwestern (2004): Dort brachte sie das Drehbuch in ähnlicher (damals zwischenschwesterlicher) Konstellation mit Catherine Frot als Landpomeranze zusammen. Das hatte deutlich mehr emotionalen Tiefgang als Fontaines Film, der – neben dem Schauspiel – vor allem mit satirischen Elementen punktet. Der Rest ist komödientechnische Routine.

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