Kritik zu Machete Kills

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Sequel, wem Sequel gebührt: Robert Rodriguez versucht sich erneut an der Steigerung der B-Picture-Ironie und schickt Danny Trejo und weitere notorisch böse Buben aus Hollywood ins spaßige Gemetzel.

Bewertung: 3
Leserbewertung
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3 (Stimmen: 3)
Vor dem Film gibt es erst einmal einen Trailer für dessen Fortsetzung: Machete Kills Again... in Space. So treibt Robert Rodriguez sein Spiel mit den Mechanismen des B-Kinos, das er einst mit Planet Terror, seinem glorreichen Beitrag zu Quentin Tarantinos "Grindhouse-Projekt", begonnen hat, noch eine Stufe weiter. Dieser reißerisch-absurde Trailer, der einen Film irgendwo zwischen Moonraker und Star Wars, zwischen Mario Bavas Planet der Vampire und Luigi Cozzis Starcrash verspricht, katapultiert die "Machete-Saga" endgültig ins Reich psychedelischer Trash-Fantasien. Und ein wenig kann einen dabei schon das Gefühl beschleichen, dass der Film, der noch gar nicht begonnen hat, diesem Irrsinn kaum gerecht werden wird.
 
Ein Anruf des US-Präsidenten rettet Machete (Danny Trejo), diesen mythischen Kämpfer und Killer im Namen der Gerechtigkeit, aus den Fängen von Sheriff Doakes, einem rassistischen Gesetzeshüter. Doch für Machete ist dieser Anruf alles andere als ein Segen. Er bringt ihn eher vom Regen in die Traufe. Ein bipolarer mexikanischer Revolutionär (Demián Bichir) ist in den Besitz einer Rakete gelangt, die er auf Washington abfeuern will. Also schickt der von Charlie Sheen gespielte Präsident Machete nach Mexiko, in das Land hinter der neuen Mauer, in dem ihn so ziemlich jeder töten will.
 
In Machete spukte noch ein letzter Rest des anarchistischen Geists herum, der einst das immer auch etwas dreckige Genrekino der 70er Jahre erfüllte. Machete war nicht nur ein großer Spaß, der seine Splattereffekte und Schießereien um ihrer selbst willen zelebrierte. Unter all dem ironischen Augenzwinkern und den blutigen Späßen verbarg sich auch ein Bekenntnis zu einem anderen Amerika, in dem rassistische Todesschwadronen genau das bekommen, was sie verdienen.
 
In Machete Kills hat Rodriguez auch noch die letzten Anklänge an die politischen B-Filme von Regisseuren wie George A. Romero, John Carpenter und Larry Cohen eliminiert. Alles wird zum Gag, sexistische Männerfantasien genauso wie herausgerissene Gedärme, die Träume eines mexikanischen Revolutionärs genauso wie die dubiosen Machenschaften eines schmierigen US-Präsidenten, den Charlie Sheen mit einer gehörigen Portion Selbstironie verkörpert.
 
Doch wenn alles immer nur ironisch ist, dann wird es letztlich auch beliebig. Die Idee, den Auftragsmörder El Cameleón nacheinander von Walton Goggins, dem rassistischem Redneck aus Justified, Cuba Gooding Jr., der zuletzt in einer Reihe von Direct-to-Video-Filmen alle Facetten des Profikiller-Daseins ausgelotet hat, Lady Gaga und Antonio Banderas spielen zu lassen, ist wahrhaft exzellent. Schließlich führt Rodriguez so die extremsten Widersprüche in einer Figur zusammen. Jegliche Form von Identität wird als rein äußerliches Konstrukt kenntlich, das sich beliebig austauschen lässt. In diesen Szenen könnte Machete Kills tatsächlich revolutionäres Potenzial entwickeln. Doch daran hat Rodriguez anscheinend kein Interesse. Also bleiben die Auftritte von El Cameleón nichts als ein Running Gag. Der ist brillant und dennoch eine verschenkte Möglichkeit.

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