Kritik zu Luks Glück

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2012
Original-Titel: 
Luks Glück
Filmstart in Deutschland: 
28.06.2012
R: 
B: 
L: 
91 Min
FSK: 
6

Bei Geld hört die Freundschaft auf. Ist das bei einer türkischen Familie anders? Auf diese Frage findet Regisseurin Ayse Polat eine ernüchternde Antwort

Bewertung: 3
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Held der Culture Clash Komödie ist der chaotische Durchhänger Luk, den die Autorenfilmerin Ayse Polat furios einführt. Das falsche Bild, das er im Chatroom von sich zeichnete, führt dazu, dass seine Dating-Partnerin ihn gnadenlos zusammenfaltet: Peinlicher geht es nicht! Die Nachricht, seine Familie habe den Lotto-Jackpot geknackt, katapultiert den prototypischen Loser dann gleich ins Endorphinnirwana. Der euphorische Jubelsturm hält nicht lange an, denn sein Vater besteht darauf, den als Tippgemeinschaft erzielten Gewinn in ein Hotel zu investieren. Mit gebremster Begeisterung bricht die ganze Sippe zur Besichtigung eines vermeintlich geeigneten Objekts in die Türkei auf. Das Motiv ist nicht neu, schon in »Almanya – Willkommen in Deutschland« reiste eine Familie in die anatolische Heimat, um kulturelle Wurzeln wiederzuentdecken. Von solch nostalgischer Verklärung will Ayse Polat nichts wissen. Ihr erfrischend böser Film entzaubert den Mythos der Geborgenheit im türkischen Großfamilienverband.

Die Demontage beginnt mit Luks Vater, der sich als frisch gebackener Millionär gleich eine blutjunge Cousine anlacht. Vor allem Luk muss schmerzhaft erfahren, zu was Verwandte fähig sind. Um das Herz seiner Jugendliebe Gul zu erobern, will er für die Sängerin einen aufwendigen Videoclip finanzieren, der in der Türkei entstehen soll. Ihr traditioneller religiöser Gesang und die fetzigen Beats des ambitionierten Musikers sollen dabei zu einer integrativen Botschaft verschmelzen. Die Idee ist genial – doch zu spät bemerkt Luk, dass sein Verwandter Cem ihn während der Dreharbeiten in eine Falle lockt, um sich den Lottogewinn unter den Nagel zu reißen.

Spaltet das böse Geld die Familie? Mit ihrem wachen Blick auf die Figuren zeigt Ayse Polat, dass die Risse schon vorher da waren. Leider ist ihr Drehbuch nicht in allen Details überzeugend, weswegen der Film Durchhänger hat. Zu Geschlossenheit trägt der quirlige René Vaziri bei, der in der Titelrolle über sich hinauswächst.

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