Kritik zu The Last Stand

© 20th Century Fox

»Äktschn« forever: Arnold Schwarzenegger spielt in seinem bestens vorbereiteten Comeback einen Kleinstadtsheriff, der seine Stadt vor einem Drogenbaron und dessen Bande schützen muss

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Arnold Schwarzenegger hat sein Comeback geschickt vorbereitet: Nach einem Cameo in The Expendables (2010) spielte er in der Fortsetzung des Stallone-Vehikels eine schlagkräftige Nebenrolle. Dramaturgisch war das natürlich nur eine Art Fanfare für das volle Arnold-Programm. Das folgt nun in dem Actionfilm The Last Stand, in dem Schwarzenegger einerseits an seine früheren Erfolgsrezepte anzuknüpfen versucht, mit Blick auf sein Alter aber eine gewisse Gelassenheit mitbringt. Sein hölzernes Schauspiel wirkt mit zunehmendem Alter passender, und auch sonst mutet der 65-Jährige als wettergegerbter Kleinstadtsheriff in der Wüste Arizonas wie eine Pulp-Version von Clint Eastwood an. Schwarzenegger spielt den »Lawman« Ray Owens, einen lakonisch-väterlichen Kumpeltyp, der während seiner großen Zeit in L.A. zu viel erlebt hat, um sich noch von irgendetwas überrascht zu zeigen. Und auch dieser schöne Kniff, Leinwandpersona und Schauspielerimage einander sanft berühren zu lassen, steht ganz in der Tradition Eastwoods.

Auf seine alten Tage also wird dieser Sheriff noch einmal aus der Reserve gelockt. Ein berüchtigter Drogenbaron ist in Las Vegas dem FBI entwischt und rast mit einer getunten, 1000 PS starken Chevrolet Corvette in Richtung mexikanische Grenze. Dank seiner bestens ausgerüsteten Privatarmee kann ihn niemand aufhalten. Nun ja, fast niemand.

Drehbuch und Regie legen diese Story konsequent als modernen Western an: Der alternde Gesetzeshüter, der mit einer zusammengewürfelten Truppe von Hilfssheriffs auf den staubigen Straßen eines Wüstenkaffs gegen einen mächtigen Großgangster (früher wäre der Drogenbaron ein Viehbaron gewesen) antreten muss – The Last Stand überträgt all das souverän in die Gegenwart. Die gemeinsamen Filme von John Wayne und Howard Hawks, und hier natürlich in erster Linie die Trilogie Rio Bravo, El Dorado und Rio Lobo, standen dabei in mancher Hinsicht Pate. Nicht dass The Last Stand deren Qualitäten erreichen würde, aber allein ihre Präsenz als filmhistorischer Bezugspunkt gibt dem Film einen schönen Touch. Auch sonst liegt ein Reiz in den Kleinigkeiten, in den parallel laufenden Handlungssträngen zwischen hilflosem FBI in Vegas und der eskalierenden Lage in der Wüste etwa, oder in der Besetzung von Darstellern wie Luis Guzmán, Eduardo Noriega und vor allem Forest Whitaker als verzweifelndem FBI-Agenten, die dem Ganzen eine gewisse Charaktertiefe geben. Als cleverer Zug erweist sich, dass Schwarzenegger nicht auf einen US-amerikanischen Actionprofi als Regisseur setzt, sondern auf den Südkoreaner mJee-woon Kim (Der Fluch der zwei Schwestern). Es gibt zwar den obligaten »funny sidekick« sowie ein paar unnötige Albernheiten, aber Kim geht die Westernkonventionen mit der Ernsthaftigkeit eines von den Mythen beeindruckten Ausländers an und inszeniert das Ganze mit weitgehend ironiefreier Lust am Altmodischen. Auf postmodernistische Ironie wartet man hier vergebens, und nicht nur darin unterscheidet der Film sich angenehm von dem anderen aktuellen Neo-Western, Django Unchained.

Man möchte es auch dem distanzierten Blickwinkel des Koreaners zuschreiben, dass The Last Stand zwar einen Helden hat, aber kaum Heldenpathos aufkommen lässt. Die Schießereien sind teilweise spektakulär, dabei aber von jener nüchternen Kaltschnäuzigkeit, wie man sie auch aus koreanischen Gangsterfilmen kennt. In den Actionszenen zeigt Kim ein selten gewordenes Gespür für Orte und Räumlichkeiten, und eine Autoverfolgungsjagd durch ein Maisfeld inszeniert er großartig als Duell zwischen zwei uramerikanischen Karossen, der Corvette und dem Mustang.

Angesichts der aktuellen amerikanischen Debatten über schärfere Waffengesetze mag es politisch höchst unkorrekt wirken, dass in The Last Stand der Mann mit der größten Wumme gewinnt und ausgerechnet die Privatarsenale der Dorfbewohner zum Lebensretter werden. Dafür gibt Kim den momentweise durchaus heftigen Gewalttaten, eine angemessene Wucht; so »lustig« wie in anderen Action-Blockbustern ist das Sterben hier jedenfalls nicht. Außerdem gilt noch immer: mIm realen Leben sollte es irritieren, wenn jede Oma eine Schrotflinte unter dem Sofa hat; im Kino aber darf man sich guten Gewissens darüber amüsieren.

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