Kritik zu It's Never Over, Jeff Buckley

© Magnolia Pictures

Die Dokumentation huldigt dem früh gestorbenen Sänger Jeff Buckley, der 1997 unter tragischen Umständen ertrank und würdigt sein musikalisches Ausnahmetalent.

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Man muss niemandem, der eine Kinokarte für diesen Film gekauft hat, erklären, wer Jeff Buckley war. Die Fans werden sich hier versammeln und mit ein paar Tränen in den Augen seine Version von Leonard Cohens »Hallelujah« mitsummen. Oder sogar laut singen. Denn er konnte beides, die leisen, melancholischen Töne und die lauten, dröhnenden. Er konnte hart sein wie sein Idol Robert Plant, Sänger von Led Zeppelin, oder ganz weich wie Nina ­Simone, die er liebte, oder überschwänglich wie Nusrat Fateh Ali Khan, den er nach einem Konzert einmal damit überraschte, dass er ihm dessen Lieder voller Sehnsucht und Leidenschaft vorsang. Jeff Buckley war ein Phänomen. Und als er im Alter von 30 Jahren ertrank, nachdem er nur ein einziges Studioalbum, »Grace«, aufgenommen hatte, wussten viele, dass hier ein besonderer Sänger gestorben war. Er war ein Musiker, der hohe Ansprüche an sich selbst stellte und zwischen verschiedenen Phasen von Depression und Selbstzweifel mit voller Kraft auf die Bühne ging und einfach spielte, was ihm in den Sinn kam.

Zu Beginn, in der kleinen irischen Kneipe Sin-é im East Village, NYC, in der er auch sein erstes Livealbum aufnahm, waren es noch Coverversionen. Später mischten sich immer mehr eigene Songs in das Programm, doch sein größter Erfolg war ebenfalls ein Cover. »Hallelujah« war einer von vielen Songs von Leonard Cohen. Aufgenommen 1983 für sein siebtes Studioalbum »Various Positions«, aber auf Seite zwei ohne große Beachtung geblieben, wurde es erst durch Buckleys Version berühmt. Selbst wenn man hört, dass es eine großartige Komposition ist, in der Version von Jeff Buckley entfaltet »Hallelujah« eine Wirkungsvielfalt, die ganz erstaunlich ist. Nicht zuletzt wegen dieses Songs wurde das Album »Grace« unter die 100 wichtigsten Pop-Alben der Geschichte gewählt.

Manche mögen denken, Jeff Buckley hätte einfach das Erbe seines Vaters Tim Buckley angetreten. Doch das stimmt nur sehr begrenzt. Schon vor seiner Geburt hatten sich die Eltern getrennt, erst Jahre später verbrachte er als Kind einmal die Ferien bei seinem Vater. Er kannte dessen Platten, aber sie gehörten nicht zu seinem Musikrepertoire. Er hielt sich fern von dessen Kreisen und entwickelte seinen eigenen Stil. Und doch hört man in der Stimme die leisen Töne seines Vaters. Tim Buckley starb mit 28 Jahren an einer Überdosis Heroin. Jeff Buckley ertrank. Selbst wenn viele bis heute meinen, auch da seien Drogen im Spiel gewesen, es war ein tragischer Unfall.

Der Film erzählt aus Jeffs Leben, findet wunderbare Bilder, die seine Radiointerviews tragen, zwischen psychedelischen Farbspielen und klaren dokumentarischen Orten und lässt keine Fragen offen. Amy Berg sucht Wegbegleiter auf, spricht mit Freundinnen und seiner Mutter und lässt Jeff Buckley auf einer tiefen emotionalen Ebene noch einmal lebendig werden. It’s never over. Mehr kann man von einem Dokumentarfilm kaum erwarten.

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