Kritik zu Im Sog der Nacht

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Zwei Männer und eine Frau suchen in dem Debütfilm des Schweizer Regisseurs Markus Welter zwischen Clubnacht und Banküberfall das Glück

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Zwei junge Männer in ihren Wohnungen: Der eine hat sich in ihr eingeschlossen, der andere kehrt gerade von draußen zurück, der eine ist allein, der andere wird von seiner Freundin begleitet. Dem einen ist der Lebensmut abhanden gekommen, der andere zeigt sich mit seiner Freundin recht vital. Der eine hält sich den Gewehrlauf unters Kinn, der andere macht Liebe. Der eine schießt, der andere erreicht den Höhepunkt.

Das Ziel einer Parallelmontage besteht darin, Kontrast zu erzeugen, zwei Handlungsstränge sollen sich kommentieren, ergänzen, widersprechen, im Mindesten zueinander in Beziehung gesetzt werden. Dass der Schweizer Werbefilmregisseur Markus Welter bei seinem ersten Spielfilm »Im Sog der Nacht« die Bilder vom versuchten Selbstmörder Roger (Nils Althaus) und seinem verliebten Mitbewohner Chris (Stipe Erceg) gegeneinanderschneidet, sagt über den Film im Ganzen etwas aus: Es gibt zwar ein Gefühl für Atmosphäre (das dramatische Zögern vor dem Schuss versus das hechelnde Atmen beim Sex), aber keine Tiefenschärfe bei der Zeichnung der Charaktere (Chris ist letztlich so verloren wie Roger).

In diesem Sinne erzählt »Im Sog der Nacht« davon, wie Chris und seine Freundin Lisa (Lena Dörrie) den verhinderten Selbstmörder Roger nach einem Clubabend zum Banküberfall überreden. Der geht nicht ganz so reibungslos über die Bühne wie geplant, aber er führt zu Geld und einer Flucht des Trios, die sich von einer Hütte im Schweizer Wald über ein Hotel in Baden-Baden bis wiederum in den deutschen Wald erstreckt. Passend zum Wald ist das heimliche Motiv des Films ein Hirsch, der Roger öfter begegnet und wohl dessen Zweifel symbolisieren soll.

Die Geschichte wirkt, als habe man sie bereits hundertmal gesehen – wie eine Kreuzung von Hans Weingartners »Die fetten Jahre sind vorbei« mit all jenen deutschen Filmhochschulabschlussfilmen, die, wenn sie die Nacht nicht im Titel tragen, so doch ihre einsamen Protagonisten durch diese schicken. Wo es bei Weingartner noch eine Geisel gibt, die man verstecken muss, gibt es hier das Geld, das aus der Verlorenheit helfen soll. Markus Welter inszeniert konventionell, er setzt auf impressionistische Effekte wie das Surren der Clubnacht und den angetrunkenen Dämmer des anbrechenden Tages danach. Das ist ganz hübsch, aber triftiger wäre »Im Sog der Nacht«, wenn er sich selbst nicht so wichtig nehmen würde und für die Leere, die in den jungen Menschen herrscht, einen Ausdruck fände, der die Routine ausgestellter Wohlstandstristesse übersteigt.

Sein Publikum wird »Im Sog der Nacht« wohl nur in jenen 20- bis 30-Jährigen haben, die sich in den desillusionierten Charakteren des Films wiedererkennen. Dabei könnten Selbstbeschreibungen wie: »Jeder hat Probleme. Ich habe keine Kohle, aber 1.000 Träume und Wünsche und jeden Tag einen mehr, davon geht auch keiner in Erfüllung« doch Ansätze für das Porträt einer Jugend sein, die auf eine rätselhafte Weise mut- und leblos wirkt. Dafür bedürfte es allerdings eines mutigeren Films.

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