Kritik zu Ich bin dann mal weg

© Warner Bros.

Der Weg ist das Ziel. In ihrer Verfilmung des Bestsellers von Hape Kerkeling schickt Regisseurin Julia von Heinz Devid Striesow auf den legendären Jakobsweg, schöne Landschaften, interessante Bekanntschaften und tiefere Erkenntnisse inklusive

Bewertung: 3
Leserbewertung
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2 (Stimmen: 1)

Wahrscheinlich wird aus jedem literarischen Bestseller mal ein Kinofilm – zu verführerisch ist die Spekulation auf ein Publikum, das das Gelesene noch einmal wiedersehen will. Auch wenn die Vorlage vielleicht einigermaßen schwierig zu adaptieren scheint, wie im Fall von Hape Kerkelings 2006 erschienenem Sachbuch »Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg«. 2001 ist der Entertainer den berühmten Camino gewandert, sechs Wochen lang, und sein Buch ist ein sehr kurzweiliger Mix aus Erinnerung und Reflexion geworden, in dem sich Strapazen mit Begegnungen und Anekdoten mit Einsichten kreuzen. Über allem steht dann doch auch, irgendwie, die Suche nach Sinn – und Gott. Schließlich ist der 791 Kilometer lange Camino ein Pilgerweg. Und Kerkeling erzählt das alles in einem beiläufigen Plauderton, der einem selbst menschliche Dramen nicht allzu dick aufs Butterbrot schmiert.

Im Buch fragt sich Kerkeling, »... ob ich als pummelige Couchpotato wirklich gut daran tue, mal eben in Badelatschen die Pyrenäen zu überqueren«, und so ist auch der Film zu Beginn der Wanderung von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela voll von schmerzenden Gliedern, drückenden Schuhen, ranzigen Herbergen, Rückschlägen, Hitze und Regen und Durst. Der Jakobsweg ist, wie wir wissen, ziemlich überlaufen, da geht es manchmal zu wie auf einer Einkaufsstraße.

Anders als das Buch beginnt der Film mit einer physischen Krise: wie der grotesk übergewichtige Kerkeling mit einem zugefutterten Vollmondgesicht auf der Bühne zusammenbricht und das zum Anlass nimmt, über sein Leben nachzudenken. Kaum erkennt man den Schauspieler Devid Striesow hinter dieser irgendwie grotesk wirkenden Maske. Doch dieser Film gehört ganz ihm, er kultiviert ein sardonisches Hape-Kerkeling-Lächeln, und man nimmt ihm die Strapazen einer solchen Tour de Force auch gut ab. Dass er die perfekte Besetzung ist, hat ihm sogar der echte Kerkeling bestätigt.

Das Buch plätschert in seinem Erzählfluss dahin, kommt ohne wirkliche Höhepunkte aus. Man findet viele Episoden im Film wieder – doch die Macher haben das emotionale Element verstärkt. Zum einen wird die Wanderung immer wieder durch Rückblenden in die Kindheit unterbrochen: wie durch eine Panne bei einem Gesangswettbewerb der kleine Hans-Peter zu einem Komödianten wird. Und am Schluss des Films kommt es zu einer regelrechten Katharsis. Kerkeling hat sich mit zwei Frauen angefreundet, einer nassforschen Journalistin (Karoline Schuch) und der etwas spröden Stella (Martina Gedeck, die sich schwertut mit der Wanderin); irgendwann gibt es tiefe Enthüllungen. Wenn dann noch die Kameradrohnen die Majestät der Landschaft ausmessen und der Weihrauch in der Kathedrale von Santiago de Compostela in diesem grundkatholischen Film wabert, denkt man sich: etwas weniger wäre mehr gewesen.

Meinung zum Thema

Kommentare

M.E. keine gute Kritik - zumal von einem Filmdienst mit christlichem Background. Der Film hat Tiefe, er stellt eine religiöse Suche überzeugend dar. So etwas ist schwer und selten. Sehr bedauerlich, dass die Kritikerin darüber hinweg schreibt. Scheiße, daneben.

ist vermutlich schwierig eine Kritik über einen Film zu schreiben, und selbst nicht zu wissen, dass der Jakobsweg tatsächlich keinen Stein auf dem anderen läßt..... Liebe Katharina, hab den Mut und geh mal los.... und danach schau Dir den Film nochmal an!

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