Kritik zu Geister der Weihnacht

© Universum Film

2018
Original-Titel: 
Geister der Weihnacht
Filmstart in Deutschland: 
01.12.2018
Sch: 
FSK: 
keine Beschränkung

Echt nur, wenn man die Fäden sieht: Die Augsburger Puppenkiste spielt in diesem Jahr als Vorweihnachts-Special Charles Dickens' »Ein Weihnachstmärchen« nach

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Für die meisten, die in den 60er und 70er Jahren groß wurden, dürfte die Augsburger Puppenkiste Teil der eigenen Kindheit sein, von »Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer« bis hin zu »Urmel aus dem Eis«. Das die auch bei nachwachsenden Generationen durchaus noch populär sind, belegen die Neuverfilmungen von »Urmel« als Animationsfilm und »Jim Knopf« in diesem Jahr als (trickreicher) Realfilm.

Nur auf den ersten Blick ist es erstaunlich, dass die Augsburger Puppenkiste auch in traditioneller Form noch funktioniert, als Puppenspiel mit reduzierten Sets und Figuren, bei denen die Fäden, an denen sie hängen, nicht kaschiert werden. Der Wiederbelebung 2016 mit »Eine Weihnachtsgeschichte« folgte im vergangenen Jahr »Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel« (nach Cornelia Funke), während diesmal – wiederum ausschließlich in Sondervorführungen an den Wochenenden vor Weihnachten gezeigt – ein Stück klassischer Literatur bemüht wurde.

Charles Dickens' 1843 erstveröffentlichte Erzählung »A Christmas Carol« (Ein Weihnachtsmärchen) wurde bereits unzählige Male und in unzähligen Formen und Genres für die Leinwand adaptiert, darunter 1970 als Musical »Scrooge« mit Albert Finney, 1988 in einer modernisierten Version als »Die ­Geister, die ich rief« mit Bill Murray, 1993 mit den Muppets und Michael Caine, 2009 mit Jim Carrey und 2010 sogar als Weihnachtsspecial des britischen TV-Dauerbrenners »Doctor Who«.

»Macht es Dir denn gar nichts aus, dass sie ein bisschen unheimlich ist?«, entgegnet zu Beginn ein alter Mann auf die Bitte eines kleinen Jungen, ihm – wieder einmal – »die Geschichte mit den Geistern« zu erzählen.

»Aber sie geht ja gut aus!«, weiß darauf der Junge zu erwidern. Das stimmt, doch trotz des weihnachtlich-fröhlichen Schlusses hinterlassen die dramatischen Szenen davor den stärksten Eindruck. Als der alte Mann – in einem London vergangener Zeiten – noch der hartherzige Geschäftsmann Ebenezer Scrooge war, gehörte zur Anhäufung seines Reichtums auch, noch am Morgen des Weihnachtsabends seinen Angestellten Cratchit anzuweisen, einem säumigen Schuldner eine ultimative Mahnung zukommen zu lassen. Scrooge ist ein Mann, der alle anderen als »weichherzige Trottel« beschimpft, auch seine eigene Nichte. Als ihm in der Nacht sein verstorbener Kompagnon Jacob Marley erscheint, ist dies der Beginn seines Läuterungsprozesses. Der Geist der vergangenen Weihnacht zeigt ihm die Fehler, die er gemacht hat, jener der diesjährigen Weihnacht, die ärmlichen Lebensverhältnisse seines Angestellten, dessen Sohn Timi schwer krank ist, während der Geist der zukünftigen Weihnacht (der wie bei Dickens stumm bleibt und auf Fragen nur mit einem wortlosen Singsang reagiert) ihn an das Grab Timis führt und schließlich an sein eigenes – das eines Mannes, um den niemand trauert.

Nach dieser Drastik wird das versöhnliche Finale überraschend schnell abgehakt – aber wer könnte in der Vorweihnachtszeit schon dem Motto von »Liebe im Herzen« ­widersprechen?

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