Kritik zu Fack ju Göhte 2

© Constantin

Lange erwartet und mit Humor auf Hochtouren: »Fack Ju Göhte 2«, die Fortsetzung des Erfolgs von 2013

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Haben sich sieben Millionen Zuschauer geirrt? War »Fack Ju Göhte« nur eine humoristische Eintagsfliege? Oder hat Ex-Knacki und Brachial-Pädagoge Zeki Müller das Zeug für eine Fortsetzung? In dem mit Spannung erwarteten Nachschlag des Kinohits von 2013 setzt Regisseur Bora Dagtekin wieder auf bewährte Rezepte und serviert eine Handlung, die von eigenen wie fremden Filmen inspiriert ist.

Der von seinem Lehrerdasein schwer genervte Müller unternimmt mit seinen Horrorschülern eine Klassenfahrt nach Thailand, um dem schnöseligen Schiller-Gymnasium die thailändische Partnerschule abzujagen und so die Erfolgsbilanz der prestigesüchtigen Rektorin Gerster zu steigern. Eigentlich aber ist Müller auf der Suche nach Diamanten, der Beute eines Einbruchs aus seinen schlechten alten Zeiten, die durch ein Missgeschick nach Thailand gelangten. Nachdem die ungebärdigen Teenies Bangkoks »Pingpong«-Bars unsicher gemacht haben, landen Müller und seine Schutzbefohlenen wie in Dagtekins Kinofilm »Türkisch für Anfänger« an einem paradiesischen Strand. Dort gerät die Truppe in wilde Abenteuer, die aber allseits zähmende Wirkung haben.

Der exotische Trip ist oft arg hanebüchen und driftet fast ins Fantasyhafte. Trotz zäher Momente besticht aber auch der Nachzüglerfilm durch den unbeschwerten Mix aus Obszönität und Zartgefühl, spitzfindigen Pointen und grobem Klamauk, aus vor Sarkasmus triefenden Dialogen und luftigem Wortwitz. Das einfallsreiche Potpourri wird von einem passgenauen Timing zusammengehalten, bei dem schlechte Scherze genauso flott abgehakt werden wie gute. Neben Elyas M'Barek mit seinem Charme eines unausgeschlafenen Teddybären wird nun Trash-Braut Chantal zur Geheimwaffe. Ihre mit rheinländischer Munterkeit und Lautstärke vorgetragenen ständigen Verballhornungen – etwa »We want piss« oder »Vorbildness« - haben das Zeug zum Klassiker.

Und auch Altstars dürfen dem Affen Zucker geben. Ist Katja Riemann als mit galligen Sprüchen regierende Direktorin wieder eine herrliche Domina, so muss Uschi Glas als labile Paukerin einiges durchmachen. Fiese Streiche aber kennen ältere Semester ja aus Pennälerkomödien à la »Feuerzangenbowle« oder »Hurra, Hurra, die Schule brennt«.

Erneut wird die »political correctness« beherzt mit Füßen getreten, wenn wohlmeinende Wortungetüme wie »Inklusion« und »Migrationshintergrund« in der Alltagspraxis aufschlagen. So braucht die Reisetruppe laut Richtlinie »11 % Behinderung«, was bedeutet, dass ein Schüler mit Asperger-Syndrom trickreich zur Mitfahrt überredet werden muss. Die konfrontative Unverblümtheit, mit der in dieser Komödie der gesellschaftliche Status der Underdogs benannt wird, wirkt in Zeiten der Kuschelpädagogik erfrischend existentialistisch. Doch man hat stets das Gefühl, dass Tabubrüche nur eine Facette einer ungemein verspielten Humorattacke darstellen. Irgendwann kriegen Dagtekin, der auch das Drehbuch schrieb, und Antiheld Zeki sogar die Kurve zu Goethe. Und für diese faustische Pointe muss man ihren Film einfach mögen.

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