Kritik zu Epic – Verborgenes Königreich

© 20th Century Fox

Liebling, ich hab meine Hauptfigur geschrumpft: Ice Age-Macher Chris Wedge bietet bei diesem dreidimensionalen Waldspaziergang tolle Bilder, aber sonst wenig Originelles

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3 (Stimmen: 1)

Es muss ja auch wirklich schwer sein für Hollywoods Animation-Wizards: Jahr für Jahr sollen sie noch grandiosere Bilder, noch beeindruckendere Figuren, noch mitreißendere Storys liefern, obwohl die Hits der letzten Saison schon so spektakulär und unübertrefflich waren. Wie soll bloß alle paar Monate ein Genre neu erfunden werden? Die Pixar-Produktionen beherrschten die Kunst des Verblüffens und Überraschens über viele Jahre hinweg. Und auch die Blue Sky Studios schafften den Trick, die Ice Age-Serie über drei Sequels hinweg frisch zu halten. Aber irgendwann kommt, zumindest beim Drehbuch, die kreative Delle: Routine schleicht sich ein, Wiederholungen werden in Kauf genommen, das gewisse Etwas fehlt.

So war es bei Pixars Merida, und so ist es nun bei Epic – Verborgenes Königreich, einer erstaunlichen Bastelarbeit, die sich unverhohlen bei allem bedient, was in letzter Zeit an Großem, Bombastischem und, ja, Epischem für Fantasyfurore sorgte. Ein wenig Herr der Ringe hier, ein wenig Avatar dort, ein bisschen Minimoys und Spiderwicks, dazu die Standardszenen aus Matrix, Shrek und Monster AG – und fertig ist eine Geschichte, die zwar perfekt funktioniert, aber nicht an die Wucht und Ursprünglichkeit der Vorbilder herankommt.

Im Zentrum steht ein Teenager, ein Mädchen namens M. K., das nach dem Tod seiner Mutter zum geschiedenen Vater zurückkehrt. Der spleenige Wissenschaftler ist seit langem den winzigen Lebewesen auf der Spur, die im Wald unerbittlich Krieg führen: den edlen »Leafmen«, die an Robin Hoods grün gewandete Freiheitskämpfer erinnern, und den garstigen »Boggans« mit ihrem Anführer Mandrake, dem Christoph Waltz in Originalund deutscher Fassung seine Schurkenstimme leiht. In diese geheime Welt nun wird M. K. hineingeschrumpft und muss eine von der alten Königin ausgewählte Seerosenblüte ihrer Bestimmung zuführen, also vor den Zugriffen der Bösen schützen und im richtigen Moment am richtigen Ort vom Mond bescheinen lassen. Unterwegs gibt es viel zu bestaunen: monumentale Schlachtgemälde, üppige Natur, rasante Flüge auf dem Rücken der Waldvögel, ein wohlfeil zusammengestelltes Ensemble, in dem alle Ton- und Gefühlslagen vertreten sind, von eklig bis ehrenhaft, witzig bis wunderlich, drollig bis diabolisch. Kalkül und Konfektion allenthalben.

Aber diese Bilder! Regisseur Chris Wedge (Ice Age, Robots) liefert in visueller Hinsicht tatsächlich jene erneute Steigerung, die man im Animationsfach kaum noch für möglich hält. So brillant und buchstäblich tiefenscharf sind seine dreidimensionalen Kompositionen, dass Epic stellenweise die Grenzen der CGI zu transzendieren scheint. Im Herrn der Ringe mögen die realen Massenszenen stellenweise wie animiert gewirkt haben – hier wirken die animierten Bilder stellenweise ganz real. Man staunt, traut seinen Augen kaum und erkennt, dass es in technischer Hinsicht keine Limits mehr gibt. Und in emotionaler Hinsicht? Bleibt alles beim Alten: Content is king.

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