Kritik zu Eleanor & Colette

© Warner Bros. Pictures

Bille August (»Fräulein Smillas Gespür für Schnee«) inszeniert nach einer wahren Begebenheit den Kampf zweier Frauen um mehr Selbstbestimmungsrechte von Psychiatriepatienten in den USA der 80er Jahre

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Dass es schon für eine weitgehend gesunde Frau nicht leicht ist, sich aus den Fängen des sogenannten Gesundheitssystems zu befreien, hat Steven Soderbergh gerade in seinem fiktiven Horror-Psycho-Thriller »Unsane« vorgeführt. Wie schwer es für eine an paranoider Schizophrenie erkrankte und zwangsverwahrte Frau ist, exerziert nun Bille August durch, am realen Präzedenzfall von Eleanor Riese aus den 80er Jahren.

Gleich in den ersten Szenen schwer erträgliche Bilder aus dem Horrorkabinett der Psychiatrie: Mehrere Männer in weißen Kitteln bezwingen eine wild um sich schlagende und strampelnde Frau mit wirren Haaren und irrem Blick. Aller Widerstand ist zwecklos, am Ende ist Eleanor (Helena Bonham Carter) auf ein Bett geschnallt und mit starken Beruhigungsmitteln per Injektion ruhig gestellt. Am nächsten Tag fordert sie ein Telefongespräch und kann sich damit immerhin einen Pro Bono-Rechtsbeistand verschaffen. Gemeinsam werden Eleanor Riese und Colette Hughes (Hilary Swank) vor die Gerichte ziehen, durch alle Instanzen bis zum Supreme Court, in dem sie die Patientenrechte letztlich durchsetzen können, für ein selbstbestimmtes Leben mit selbstverwalteter Medikation, nachdem ein großer Teil ihrer Beschwerden durch falsche Dosierung überhaupt erst verursacht wurde.

Ob sie sich als »Million Dollar Baby« durchboxt, in »Boys don't Cry« gegen ein Leben mit dem falschen Geschlecht rebelliert, ob sie sich als Lehrerin für den Kampf der »Freedom Writers« einsetzt, sich gegen den eigenen Verfall durch ALS stemmt, oder sich in Soderberghs »Logan Lucky« als FBI-Agentin an die Fersen einer raffinierten Geldräuberbande heftet: Hilary Swank ist prädestiniert für alle Formen zähen Kampfgeistes gegen Widerstände jeglicher Art. Dass die zierliche Schauspielerin mit dem harten Zug um den Mund im Kampf um die richtige Sache enorme Kräfte entwickeln kann, hat sie schon so oft bewiesen, dass es jetzt auch nicht sonderlich originell ist, wenn sie diese Rolle nun auch noch als Anwältin variiert. Und auch für Helena Bonham Carter ist Eleanor Riese mit all ihren krankheitsbedingten Manierismen und Ticks nur eine weitere Variation all der exzentrischen Typen, die sie vor allem für ihren Mann Tim Burton immer wieder gespielt hat. Überhaupt lässt Bille August das Feuer der Leidenschaft vermissen, mit dem sich auch im Kino die Funken für solche David gegen Goliath-Kämpfe zünden lassen. Als ginge es darum, nach Zahlen zu malen, dekliniert er die Stationen dieses Rechtsstreits weitgehend uninspiriert und bieder durch, bis nur noch wenig zu spüren ist von der aktuellen Brisanz einer Geschichte, deren Vibrationen von den 80er Jahren durchaus bis in die Gegenwart strahlen. Bis auch die wachsende Freundschaft zwischen den ungleichen Frauen nur noch formelhaft und sentimental anmutet, und alle wahren Gefühle von dem Arsenal auffälliger Ohrringe überstrahlt werden, die Hilary Swank wie bei einer Schmuckmodenschau vorführt.

Meinung zum Thema

Kommentare

sehr lieblose, miesgrämige rezension eines films, dessen geschichte sehr interessant anmutet. was ist gegen zwei starke schauspielerinnen in adäquaten rollen einzuwenden? habe damit kein problem, im gegenteil.

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