Kritik zu Ein Lied in Gottes Ohr

© Neue Visionen Filmverleih

Passend zur Debatte über religiöse ­Toleranz drehte Regisseur Patrice Eboué eine launige Musikkomödie, in der sich ein Priester, ein Rabbi, und ein Imam singend zusammenraufen

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Neulich habe ich gehört, dass man heutzutage Rabbi Jacob nicht mehr machen könne. Ich habe das Gefühl, dass sich die Künstler selbst zensieren«, sagt Fabrice Eboué. Die Gültigkeit zumindest des zweiten Satzes beweist der Regisseur unfreiwillig mit seiner Komödie. Eboué selbst spielt einen Musikproduzenten in der Krise. Von seiner Frau verlassen bekommt Nicolas zudem von der Chefin des Konzerns, von dem sein Studio aufgekauft wurde, Druck. Er soll innerhalb von sechs Monaten einen Hit produzieren, ansonsten droht der Rauswurf. Schließlich verfällt er auf die Idee, im Stil der erfolgreichen Priesterpopgruppe »Les prêtres« eine Band aus einem Priester, einem Rabbi und einem Imam zusammenzustellen. Mit Assistentin Sabrina spürt er Samuel, einen von manischen Schuldgefühlen geplagten Rabbi auf, der, einst ein gefragter Sänger auf Bar Mizwas, sich nach einem blutigen Unfall in seiner Wohnung verkrochen hat. In einem Gottesdienst entdeckt Sabrina den mild lächelnden, engelsgleich singenden Pater Benoît. Nicolas stößt auf den Raï-Sänger Moncef, der sich in der Band als Imam ausgeben soll.

Und damit wird der launigen Komödie gleich der schärfste Zahn gezogen. Sind seine Bandkollegen offizielle Vertreter ­ihres Glaubens, so ist Moncef ein religiöser Hochstapler – ein Schwindelei, die, anders als bei Louis de Funès’ »Rabbi Jacob«, kaum bewitzelt wird. Mag sein, dass mit diesem muslimischen Hallodri, der Gott einen guten Mann sein lässt, Alkoholiker und Frauenheld ist, pfundweise Salami isst und Jacques Brel mag, schon sehr viel gewagt wurde. Eboué bekennt, dass er das Drehbuch nach den Attentaten im November 2015 erst mal liegen ließ – und Darsteller Ramzy Bedia bekannte in einem Zeitungsinterview, dass er sich niemals über einen Imam lustig machen würde. Doch in einem Film, der in einem von islamischem Terrorismus und rechtsextremer Front National gespaltenen Land für religiöse Toleranz plädiert, fällt diese komödiantische Unwucht umso stärker ins Gewicht.

Eboué serviert nun beim handfesten Zusammenraufen der Boygroup eine Bandbreite tagesaktueller Witze von gewagt bis platt und obszön. Mit scharfkantigen Humor wird über den Holocaust und pädophile Priester gescherzt; er streift antisemitische Verschwörungstheorien, Zölibat, Homophobie, IS und den Israel-Palästina-Konflikt. Im Stil einer Fernsehsketch­parade liefert er Parodien von Castingszenen, in denen oft herrlich lustig mit Klischees herumgealbert wird. Und die Beschneidung dient wie in »Monsieur Claude und seine Töchter« als Running Gag. Dazu liefert die Bühnenshow des Trios jenen melodiösen Feelgood-Pop, für den französische Hörer wohl ein Faible haben. Und doch wirkt der Trubel gerade im Vergleich mit dem im Film selbst zitierten »Rabbi Jacob« oft lahm und sogar spießig. Die einzige Frau im Team, die tüchtige Assistentin, ist vor allem für schlüpfrige Altherrenwitze gut: Zu oft zieht sich Eboué mit einem billigen Humor aus der Affäre, mit dem eine Gruppe gedisst wird, die bis vor kurzem kaum je wegen verletzter Gefühle den Aufstand wagte.

Meinung zum Thema

Kommentare

Ein unterhaltsamer, wohltuender Film. In Anbetracht der komplexen Problematik gegenseitiger Achtung der großen abrahamitischen Religionen ist "Ein Lied in Gottes Ohr" eine Gott-sei-Dank und gottlob gelungene Komödie, in der wunde Stellen mit gesunder (Selbst-)Ironie ausgelebt werden.

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