Kritik zu Die Frau mit den 5 Elefanten

© Real Fiction Filmverleih

2009
Original-Titel: 
Die Frau mit den 5 Elefanten
Filmstart in Deutschland: 
28.01.2010
L: 
97 Min
FSK: 
6

Mit ihren Dostojewski-Übersetzungen hat Swetlana Geier Literaturgeschichte geschrieben; der Schweizer Vadim Jendreyko porträtiert die Frau und ihr Leben

Bewertung: 3
Leserbewertung
0
Noch keine Bewertungen vorhanden

Man weiß nicht, ob es ein bewusster Scherz der Filmemacher ist, aber der Titel dieser Dokumentation über eine Übersetzerin muss für alle Nichteingeweihten erst übersetzt werden: Bei der »Frau« handelt es sich um die Russisch-Übersetzerin Swetlana Geier, und als »ihre fünf Elefanten« bezeichnet sie selbst an einer späten Stelle im Film die fünf großen Dostojewski-Romane, durch deren Neuübertragung ins Deutsche ihr Name weit über die Kreise der Spezialisten für russische Literatur hinaus bekannt wurde. Geier nämlich trägt die »Schuld« daran, dass aus »Schuld und Sühne« nun »Verbrechen und Strafe« und aus den »Dämonen« die »Bösen Geister« wurden. Die alten Titel hat sie damit dem Verdacht der »Ungenauigkeit« ausgesetzt. Womit man schon bei den wirklich interessanten Themen wäre, über die man Swetlana Geier gerne hätte sprechen hören. Zum Beispiel darüber, was das ist, eine »genaue« Übersetzung, und wie man sie erreicht. Wie einem überhaupt viele Fragen einfallen, die man ihr gerne stellen würde, aber leider hat der Schweizer Filmemacher Vadim Jendreyko für seine Dokumentation über die bald 87-Jährige eine Form gewählt, in der Fragen nicht vorgesehen sind. Nur Antworten.

Das sieht dann so aus: Jendreyko filmt die alte Frau in ihrer häuslichen Umgebung in Freiburg, allein, bei der Arbeit und im Kreise ihrer Familie, zwischendurch spricht sie in die Kamera und erzählt ein wenig von sich. Jeder Einstellung sind der Respekt und die Ehrfurcht anzusehen, die der Filmemacher für Geier empfindet. Dann wird nach und nach das Flüchtlingsschicksal enthüllt, das Geier als Tochter eines unter Stalin Verfolgten erlitten hat, und das sie 1944 nach Deutschland führte. Vom Dokumentaristen und einer Enkelin begleitet, reist Geier schließlich zum ersten Mal wieder in ihr Heimatland. Spätestens hier aber ändert der Film leider seinen Fokus: Statt Werk und Beruf stehen auf einmal die Person und ihr Lebensweg im Zentrum. Auch das könnte hochinteressant sein, doch leider fehlen auch hier wieder die Fragen. Wieder gibt es nur Antworten – die allzu aufdringlich jeden Verdacht zerstreuen sollen, Geier habe als junge Frau in der damals von Deutschen besetzten Ukraine mit den Nazis »kollaboriert«.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns