Kritik zu Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

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Die Neufassung fühlt sich bereits wie eine Fortsetzung an, und Robert Downey Jr. spielt, als hätte er die Rolle schon vom Start weg satt

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Ein Arzt, der mit Tieren sprechen kann – man könnte diese Figur leicht für eine typische Erfindung aus dem Hause Disney halten. Dabei ist der zum Chaos neigende Dr. Dolittle, der in seiner Tätigkeit unter anderem von einer besserwisserischen Gans, einem vorlauten Papagei, einem neugierigen Hund und einem feigen Affen beraten wird, sogar älter als Mickey Maus. Der Brite Hugh Lofting hat den guten Doktor in eben jenen Schützengräben des Ersten Weltkriegs erfunden, die Sam Mendes mit seinem »1917« gerade mit wuchtiger Unmittelbarkeit ins Kino gebracht hat. Nicht dass man dem Stoff das besonders anmerken würde: In »Die fantastische Reise des Dr. Dolittle« ist die Komik rund um den Titelhelden, seine animalischen Mitstreiter und menschlichen Widersacher entschieden auf der albernen Seite – ohne allerdings die fast dadaistische Verrücktheit zu erreichen, die die Verfilmungen von 1998 und 2001 mit Eddie Murphy als Dolittle so besonders machten.

Nun übernimmt Robert Downey Jr. die Rolle – und strahlt dabei vom ersten Moment an jenen leicht melancholischen Überdruss aus, der zu seinem »Iron Man«-Markenzeichen gehört, hier aber dem Ganzen das merkwürdige Gefühl verleiht, man befinde sich nicht etwa im frischen Reboot, sondern bereits im Sequel. Dass die Ereignisse aus dem zweiten Buch verfilmt werden, verstärkt den Eindruck noch, zumal die »origin story« von Dolittle samt einer tragisch endenden Liebesgeschichte nur als Exposition vorkommen. Die eigentliche Handlung leidet etwas darunter, dass eine Königin (gespielt von Jessie Buckley, mit »Wild Rose« und »Judy« die große Schauspielentdeckung des letzten Jahres) gerettet werden muss, die den ganzen Film über im Koma liegt. So herrlich hier auch Jim Broadbent und vor allem Michael Sheen als klassische, sich die Schnurrbärte zupfende Bösewichte chargieren, so schwer fällt es doch, sich um eine Königin zu sorgen, die man kaum kennenlernt.

In ähnlicher Weise gilt das leider für alle Figuren, seien sie nun animiert oder »real«: Man wird nicht so recht warm mit ihnen. Dabei ist alles putzig genug angelegt: der furchteinflößende Gorilla, der selbst am meisten Angst empfindet, der Eisbär, dem es am Nordpol zu kalt war, der Vogel Strauß, der den Kopf in den Sand steckt, das Eichhörnchen, das sich verfolgt fühlt . . . und so weiter. Aber so hektisch purzelt der Plot dahin, führt aus dem verwunschenen Anwesen von Dolittle zum Buckingham Palace, dann auf hohe See und zu exotischen, von Piraten und Drachen bewachten Inseln und wieder zurück, dass nie Zeit bleibt, um die Charaktere wirklich rund werden zu lassen und ihren Einzelgeschichten – der Gorilla wird ein bisschen mutiger, Strauß und Eisbär überwinden ihre Gegensätze – Nachhall zu verleihen. Auf der Seite des menschlichen Personals kommt zum klassischen Erzähler-Assistenten Tommy Stubbins noch ein junges, im Dienste von Königin Viktoria stehendes Mädchen hinzu, beide kriegen aber neben den vielen, munter quasselnden Tieren zu wenig zu tun, um sich irgendwie einzuprägen.

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