Kritik zu Die Bourne Verschwörung

© Universal Pictures

Matt Damon wieder als Killer in einem gelungenen Sequel

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Der Beginn von »Die Bourne Verschwörung« ist wie ein schweißtreibender Albtraum, ein von dem Kameramann Oliver Wood aufgenommener delirierender Videoclip. Jason Bourne, im Erfolgswerk »Die Bourne Identität« ein Mann ohne Gedächtnis, lebt immer noch in einer Zwischenwelt aus Wirklichkeit und Fantasie. Erinnerungsfetzen, die er sich im Schlaf zusammenhalluziniert, formen sich für ihn zu einem Suchbild. »Es war ein Auftrag«, sagt Bourne. »Und ich war dabei.«

In dem Maße, in dem er versucht, der Vergangenheit habhaft zu werden (»Wer war ich?«), holt sie ihn ein – und zwar in Gestalt eines russischen Auftragskillers. Bourne (Matt Damon), der sich mit seiner Freundin Marie (Franka Potente) nach Indien zurückgezogen hat, muss fliehen. Im Folgenden konfrontiert ihn das Drehbuch von Tony Gilroy (nach dem Roman von Robert Ludlum) mit feindlichem Feuer, korrupten Agenten, konkurrierenden Geheimdiensten, deutscher Polizeimacht. Und dem Autoverkehr in Moskau. Die Dramaturgie hat sich im Vergleich zum ersten Teil umgekehrt. In »Die Bourne Identität« war der ausgebildete Geheimdienst-Killer Bourne auf der Flucht, jetzt hat er ein Ziel vor Augen. In Berlin, später in Moskau gerät er ins Herz einer russisch-amerikanischen Verschwörung.

Paul Greengrass, der Regisseur des Film, ist ein Mann fürs Schwindelerregende. Sein Film über den 30. Januar 1972 in Nordirland, »Bloody Sunday«, Berlinale-Gewinner 2002, rief auf drastische Weise den Tag in Londonderry in Erinnerung, als britische Soldaten auf katholische Demonstranten schossen und 13 Menschen töteten. Der Kameramann Ivan Strasburg verrichtete seine Arbeit wie im Schüttelfrost, das Publikum war mittendrin statt nur dabei.

Die Arbeitsweise überträgt Greengrass in großem Maßstab auf das Hollywood-Spektakel »Die Bourne Verschwörung«. Die Action-Effekte und eine Autoverfolgungsorgie im leichenfahlen Moskau sind erstklassig inszeniert und nichts für schwache Nerven – und doch weniger spannend als der Terror in Bournes Psyche. Matt Damon fügt seinem Jason Bourne neue Dimensionen hinzu. Er ist kalt, aber nicht gefühllos; tödlich, aber nicht unbesiegbar. Eine gebrochene Figur, deren Existenz in einer Einstellung vor einem Spiegel sinnfällig wird: Bourne vervielfältigt sich gleichsam ins Unendliche. Damon, dem gelegentlich plakative Effekte nicht fremd sind, legt seinen Killer-Agenten minimalistisch an. Mitunter erscheint er ganz in sich zurückgezogen, was die unvermeidlichen Ausbrüche umso explosiver wirken lässt.

Matt Damon ist nicht allein. Seine Gegenspieler verkörpern Mitglieder der Darsteller-Elite Hollywoods. Joan Allen ermittelt als Pamela Landy gegen Jason Bourne: mit Intelligenz und Instinkt. Eine starke Frau. Brian Cox gibt so etwas wie das permanent transpirierende, hässliche Gesicht der CIA, ein Mann wie geschaffen für die Intrige.

Der pathetische Epilog entfaltet in der Hochhaus-Welt New Yorks eine beklemmende Wirkung. Und gibt Anlass zur Hoffnung: auf einen dritten Teil.

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