Kritik zu Das perfekte Schwarz

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Gibt es das, eine perfekte Farbe? Und ist Schwarz nicht eher eine Nichtfarbe? Tom Fröhlich dokumentiert in seinem Film eine Suche und macht sich dabei selbst zum besten Anschauungsmaterial

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Was will uns ein Film sagen, der nach einer perfekten Farbe sucht? Zumal wenn es um Schwarz geht, das genau genommen gar keine Farbe ist? Die Bilder jedenfalls, mit denen Tom Fröhlich anfängt, lassen erahnen, dass es ihm weniger um eine nachvollziehbare Erkenntnis geht als vielmehr um eine Philosophie des Dunklen, des nicht Nachvollziehbaren und vielleicht auch nicht Darstellbaren. 

Ölig glänzend drücken sich spitze Formen durch eine Art Folie, bewegen sich rhythmisch und bilden eine Fusion aus anorganischen und organischen Eindrücken. Kontur gewinnen sie immer dann, wenn sie Licht reflektieren, denn Schwarz, so heißt es bald danach, ist schlicht das Nichtvorhandensein von Licht. Die Strukturen, die so entstehen, haben eine wunderbar zweckfreie Schönheit und die Bilder eine hohe meditative Kraft. Doch dann wird es konkret und der Film blickt auf zu den Sternen, die in ihrem schwarzen Umfeld leuchten, als klare reine Emission von Licht. Selbst an der dunkelsten Stelle des Himmels finden wir, schauen wir nur genau hin, so wie es das Hubbleteleskop kann, Tausende von Galaxien. 

Die Frage, wie man das reine Dunkle in der Abwesenheit von Licht überhaupt wahrnehmen kann, beantwortet eine Musikerin auf ihre Weise. Sie ist Synästhetikerin und hat, ob sie will oder nicht, bei jeder farblichen Wahrnehmung einen Klang im Ohr. Mal laut, mal leise, aber immer ganz unwillkürlich. Oder die Malerin, die nach dem Tod ihres Sohnes knallbunte Bilder malt, um ihre Trauer zu verarbeiten, während ihr Mann auf einem weißen Bechsteinflügel dunkle Melodien in cis-Moll spielt. Trauer ist nicht schwarz, sagt sie, aber wie bunt ihre abstrakt gehaltenen Bilder sind, sehen wir in dem schwarz-weißen Film nicht. Viel deutlicher wird die Suche nach dem perfekten Schwarz bei dem Tätowierer. Immer und immer wieder geht er mit seiner Maschine schmerzhaft über dieselbe Hautpartie, um einen undurchdringlichen dunklen Ton herzustellen. Der Schmerz ist wichtig, sagt er, denn nach dem Schwarz gibt es nichts mehr. Man kann jedes Bild mit Schwarz überstechen, das Schwarz aber bleibt für immer.

Mit hoher ästhetischer Finesse durchschreitet Tom Fröhlich Räume, in denen Schwarz eine Bedeutung bekommt, eine klare Zielrichtung aber bleibt aus. So setzt er dem Weltall die Erfahrung der Tiefsee entgegen und zeigt, wie Lebewesen in 1000 Meter Tiefe von sich aus zu leuchten beginnen und den Sternen ähnlich eine wunderbare Sinneswahrnehmung erzeugen. Der Malerin entspricht ein Fotograf, der verschiedene Drucktechniken ausprobiert, um ein tiefes, reines Schwarz zu erhalten. Tatsächlich aber verhält es sich hier wie immer, wenn man nach Perfektion sucht. Das Perfekte ist immer nur als Annäherung möglich. Insofern verliert sich Tom Fröhlich etwas in der schwarz-weißen Welt seines Filmes und wird selbst zum Anschauungsobjekt. Was er uns nicht erzählen kann, das können wir erfahren, wenn wir die wunderbaren Bilder sehen, die er für uns aufgenommen hat.

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