Kritik zu Collide

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Eine Antwort auf die oft gestellte Frage nach dem Actionfilm aus Deutschland: Es gibt ihn. Mit internationaler Starbesetzung und natürlich einer Autoverfolgungsjagd nach der anderen

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Abschließend lässt sich sagen: Wo ­»Collide« draufsteht, ist auch »Collide« drin. Soll heißen: Eran Creevys Film mangelt es nicht an Kollisionen. Motorräder krachen auf Personenwagen, Personenwagen prallen auf Lastkraftwagen, Autos landen aufeinander, Pläne platzen, Dickköpfe rennen gegen Wände, und die Egos, tja, die großen Egos, die sich nicht miteinander arrangieren können, die sind an dem ganzen Verkehrschaos schuld. Und wenn nicht gerade die Reifen quietschen und in Höchstgeschwindigkeit Blech- und Personenschäden angerichtet werden, dann fliegen die Fäuste und ballern die Knarren. Hoch geht es her in Nordrhein-Westfalen, wo die Drogenbarone im Clinch miteinander liegen und ein US-Boy auf romantischer Mission zwischen die Fronten gerät.

Dabei hatte es so harmlos angefangen. Während eines Raves im angesagten Köln verliebt sich Casey (Nicholas Hoult) in Juliette (Felicity Jones). Als diese dann schwer krank wird, übernimmt der junge Mann einen dieser Aufträge, die das schnelle Geld versprechen. Das ist zwar eines Traumprinzen würdig, erweist sich aber als hirnrissig, da die Chose klarerweise schiefgeht. Schon findet sich unser Held auf der Flucht vor einem ziemlich angepissten Drogenlord wieder, mit dem zudem nicht gut Kirschen essen ist. Und munter geht die wilde Jagd durchs brave Land – unter anderem durch das beschauliche Fachwerkstädtchen Monschau, so dass die Touristen nur so flitzen und die Polizei nur so schaut.

Wenngleich auch wenig Sinn, so hat das alles doch Hand und Fuß, denn die mitproduzierende deutsche Produktionsfirma hands-on producers die zur action concept Gruppe gehört – mehrfach ausgezeichnet für ihre Arbeit an der TV-Serie »Alarm für Cobra 11« – zeigt, was sie kann, und das ist nicht wenig. Wer Autoverfolgungsjagden mag, kommt in Collide auf seine Kosten. Wem es dagegen die hohe Kunst der Knallchargendarbietung angetan hat, der darf sich an Anthony Hopkins und Ben Kingsley erfreuen, die die Nebenrollen der einander spinnefeind gesonnenen Drogenhandelsgeschäftspartner Hagen Kahl und Geran übernommen haben. Hopkins hat zu diesem Anlass seine Hannibal-Lecter-Persona aus dem Schrank geholt und gibt dem Affen Zucker. Kingsley trägt die coolste Sonnenbrille der Welt im Gesicht und steht ihm in nichts nach. Ein Treffen zweier Schauspielgiganten, die tiefenentspannt ironischen Schabernack mit ihren Figuren treiben, ohne den Film, in dem sie agieren, der Lächerlichkeit preiszugeben. Schließlich geht es auf Leben und Tod um die Liebe.

Dieses Motiv, von Hoult als romantischem Tor interpretiert und nie bloße Behauptung, treibt die turbulente Handlung voran. Und Creevys ebenso atemlose wie unbekümmerte Inszenierung hält erstaunlich sicher die Balance zwischen dem vollen Haudraufelan der Actionsequenzen und erfreulich abstrusen Einfällen wie beispielsweise einem Auftritt Joachim Króls, der als Jäger Wolfgang mit der offenbar kugelsicheren Weste den Schergen des Bösen zeigt, wo der Hammer hängt. Wer sagt, dass das nicht geht?

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