Kritik zu Austenland

© Sony Pictures

2013
Original-Titel: 
Austenland
Filmstart in Deutschland: 
17.10.2013
L: 
97 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Jerusha Hess verwirklicht in ihrem Regiedebüt für ihre Heldin den Traum aller Jane-Austen-Fans: die Reise in die gelobte Literatur beziehungsweise deren nachinszenierten Ersatz

Bewertung: 3
Leserbewertung
0
Noch keine Bewertungen vorhanden

Ich bin Single, weil alle guten Männer Fiktion sind«, gesteht Jane (Keri Russell). Die junge Amerikanerin ist eine bekennende Jane-Austen-Enthusiastin. Ihre Wohnung sieht aus wie eine Regency-Ära-Puppenstube. Auf ihrem T-Shirt prangt ein dickes »I love Darcy«und neben der Wohnungstür steht eine lebensgroße Pappstatue von Colin Firth in eben dieser Rolle. Die schnöde Realität moderner Balzrituale sind Jane zuwider. Sie sehnt sich nach gepflegten Kommunikationsformen und der erotisierenden Kraft des distanzierten Umgangs zwischen Männern und Frauen.

Wenn die Wirklichkeit keine echten Gentlemen mehr hervorbringt, kann nur eine Reise in die Fiktion die Erlösung bringen. Im Reisebüro investiert Jane ihre kompletten Ersparnisse in ein Ticket nach »Austenland«. Auf einem schmucken englischen Herrensitz bemühen sich kostümierte Schauspieler um das seelische Wohl der romantisch unterversorgten Klientel. Austen-Touristin Jane wird schon bald von zwei Männern umgarnt. In äußerst kompetenter Darcy-Manier übt sich Mr. Henry Nobley (JJ Feild) in romantischer Verrätselung, während der charmante Stallbursche Martin (Bret McKenzie) auch jenseits seines schauspielerischen Auftrages Interesse an der Klientin zu entwickeln scheint.

Auch wenn im Kino die Welle von Jane-Austen-Verfilmungen nach Joe Wrights begnadeter Adaption von Stolz und Vorurteil (2005) ein wenig abgeebbt ist, bleiben die englische Autorin und ihre Werke in diskursiver Hinsicht ein beliebtes Filmsujet. In Geliebte Jane (2007) zeichnete Julian Jarrold ein Porträt der jungen Jane Austen. In Der Jane Austen Club (2007) betrachtete Robin Swicord das Phänomen von der Seite der Rezeption und stellte die Herz-Schmerz-Geschichten aus dem 19. Jahrhundert den romantischen Nöten der Gegenwart gegenüber.

Einen ähnlichen Weg geht nun Jerusha Hess in Austenland, belässt es jedoch nicht nur bei einer Konfrontation von Austen-Universum und entromantisierter Moderne, sondern macht beide Welten füreinander durchlässig. Das klingt nach einem vielversprechenden Konzept, mit dem die Kontraste zwischen nostalgischer Verklärung der emotionalen Verhältnisse im England des frühen 19. Jahrhunderts und deren Reinszenierung im »Club Robinson«-Format gründlich ausgelotet werden könnte. Diesbezüglich hätte man der Regisseurin allerdings mehr Mut gewünscht. Zu sehr klebt die Geschichte an der emotionalen Reise ihrer Hauptfigur, für die der Trip zur selbsttherapeutischen Extremerfahrung wird. Das weite Feld, das sich zwischen Fiktion und Wirklichkeit auftut, wird dabei nur zu einem kleinen Teil humoristisch beackert, weil sich Austenland viel zu genau an die Routenbeschreibung der romantischen Komödie hält. Darunter leidet auch die Zitierfreude, die sich hier mehr oder minder auf den Topseller Stolz und Vorurteil beschränkt und die anvisierte Zielgruppe der Jane-Austen-Fangemeinde deutlich unterfordert.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns