Kritik zu Auftrag Rache

© Wild Bunch

Mel Gibson kehrt als Schauspieler vor die Kamera zurück – in Martin Campbells Thriller kommt er als Bostoner Cop einer mörderischen Verschwörung auf die Spur

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Sieben Jahre ist es her, dass wir Mel Gibson auf der Kinoleinwand gesehen haben. Sieben Jahre, in denen er als Produzent, Autor und Regisseur zwei Filme gedreht hat, deren künstlerische Relevanz vermutlich erst von künftigen Filmhistorikergenerationen adäquat eingeschätzt wird. Aber nicht nur als Künstler hat der Mann sich in den vergangenen sieben Jahren weiterentwickelt. Gibson ist inzwischen 54, und man sieht ihm jedes Jahr an – die Haare deutlich grau meliert, das gegerbte Gesicht von Falten durchzogen, ein desillusionierter Zug um Augen und Mund.

In »Edge of Darkness« findet der gereifte Gibson eine erste, prächtige »Altersrolle«, wenn auch in einem nicht durchweg prachtvollen Film. Basierend auf der gleichnamigen BBC-Mini-Serie aus dem Jahr 1986 erzählt der Film von einem Bostoner Cop namens Craven, dessen erwachsene Tochter vor seinen Augen von einem unbekannten Killer erschossen wird. Zunächst gehen die Ermittler davon aus, dass eigentlich Craven das Ziel des Anschlags war. Sehr schnell aber stößt er selbst auf Hinweise, dass seine politisch aktive Tochter das Opfer einer »Säuberungsaktion« wurde, angeordnet von einem Großkonzern, der in illegale (Atom-)Waffengeschäfte verstrickt ist. Regisseur Martin Campbell, der bereits das sechsstündige TV-Original inszeniert hat, und sein Drehbuchautor William Monahan (»Departed«) mühen sich redlich, die Geschichte auf kinogerechtes Format einzudampfen und zugleich die gesellschaftliche Relevanz der Story vom Thatcher-England ins heutige Amerika zu übertragen. Ironischerweise umweht den Film trotzdem eher ein Hauch von Siebziger-Jahre-Paranoia. Da gibt es, ganz »old school«, konspirative Treffen in Tiefgaragen und Verschwörungen bis in höchste Kreise à la »Die drei Tage des Condor«. Anstatt auf ausgedehnte Actionszenen setzt Martin Campbell auf geschliffene Dialoge und atmosphärischen Suspense; auch der inzwischen übliche visuelle Dauerbeschuss weicht hier längeren Einstellungen und fließenderen Kamerabewegungen. All das gibt dem Film eine angenehm »erwachsene« Atmosphäre.

Trotzdem will die Rechnung nicht ganz aufgehen. Zu vorhersehbar sind die vermeintlich überraschenden Wendungen; zu rudimentär ausgearbeitet selbst spannende Charaktere wie ein von Ray Winstone verkörperter Spezialagent; zu konventionell die Bösewichter: Ohne einen Hauch Ironie etwa inszeniert Campbell, Regisseur von »Golden Eye« und »Casino Royale«, das Hauptquartier des mörderischen Wirtschaftsbosses (diabolisch gut: Danny Huston) wie die Schaltzentrale eines Bond-Bösewichts. Und immer wieder beschleicht einen angesichts abrupter Sprünge und sich verlierender Nebenfiguren das Gefühl, es hier mit dem Torso eines ursprünglich sehr viel komplexeren und längeren Films zu tun zu haben. Bleibt immer noch Mel Gibson, der das Ganze mit seiner grimmigen Präsenz zusammenhält. Allein die selbstironische Szene, in der der einst so virile Star nach beschwerlichem Faustkampf mit einem Studenten kaum mehr auf die alternden Beine kommt, lohnt die Kinokarte.

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