Kritik zu Auf der Suche nach Ingmar Bergman

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2018
Original-Titel: 
Ingmar Bergman – Vermächtnis eines Jahrhundertgenies
Filmstart in Deutschland: 
12.07.2018
V: 
L: 
97 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Pünktlich zum 100. Geburtstag des schwedischen Regisseurs in diesem Monat stellt Margarethe von Trotta eine Doku über ihn vor, die in der Reihe Cannes Classic lief

Bewertung: 3
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Sich einem Regisseur zu nähern, der einmal eine ganze Generation von Filmemachern beeinflusst hat, der als einer der ersten als Autorenfilmer wahrgenommen wurde und dessen Werk heute zum Kanon der Filmgeschichte gehört, ist keine einfache Angelegenheit. Und um es vorwegzunehmen: Margarethe von Trotta versucht erst gar nicht, ihren Film zu einer »runden« Werkbetrachtung werden zu lassen, zu einer Einführung in das Werk eines Genies oder einer Auflistung der Motive seiner Filme etwa.

Wenn man den Film in einem kurzen Wort beschreiben möchte, dann geht es in ihm eher um die Wirkung des 2007 gestorbenen Regisseurs auf uns Heutige, ganz konkret persönlich, aber auch künstlerisch. Margarethe von Trotta hat mit vielen gesprochen, die Bergman begleitet haben: den Schauspielerinnen Liv Ullmann, Gunnel Lindblom oder Gaby Dohm, seiner früheren Assistentin Katinka Faragó und Johannes Kaetzler, der in Bergmans Münchner Zeit sein Regieassistent am Bayerischen Staatsschauspiel war. Es gibt aber auch Interviews mit vielen, die nie mit ihm gearbeitet haben, darunter der französische Regisseur Olivier Assayas, der ein Interviewbuch mit Bergman veröffentlichte, dem Drehbuchautor ­Jean-Claude Carrière, dem spanischen Regisseur Carlos Saura und Ruben Östlund, der von der Teilung der schwedischen Filmszene in zwei Lager erzählt: Bergman vs. Bo Widerberg.

Bergman und ich: Von Trotta folgt auch den Spuren, die Bergman in ihr und in ihrem Inszenierungsstil hinterlassen hat. Weshalb sie selbst relativ oft zu sehen ist. Sie erzählt, wie die Regisseure der Nouvelle Vague Bergman entdeckten, zu der Zeit, als sie in Paris an der Sorbonne studierte, sie berichtet von persönlichen Verknüpfungen und wie sie sich dabei ertappt, etwas bergmanesk zu inszenieren. Es ist sicherlich auch der Film einer Bergman-Bewunderin.

Bergmans Abgründe werden nicht ausgespart, aber auch nicht vertieft. Am berührendsten sind die Interviews mit seinen Kindern Ingmar Bergman jr. und Daniel Bergman. Ingmar Bergman war ein Workaholic, offenkundig mit wenig Zeit für seine Familie. Mit den Brüdern trifft von Trotta sich in Bergmans Haus auf der Insel Farö. Daniel Bergman, heute selbst Regisseur, erzählt, wie sein Vater im Sessel saß bei seinem Geburtstag und seufzte, dass er seine Schauspieler vermisse. Eine seiner Töchter merkte an: »Warum sagst du nicht einmal, dass du deine Kinder und ­Enkel vermisst?« – »Weil es nicht so ist.«

Zu den Pfunden, mit denen von Trottas Film wuchern kann, gehören auch die vielen zeitgenössischen Aufnahmen von Ingmar Bergman, Statements für die Presse und viele Sequenzen, teilweise unveröffentlicht, die ihn bei Dreharbeiten zeigen, natürlich meist zu späteren Filmen wie »Das Schlangenei« oder »Fanny und Alexander«. Man merkt, wie aufmerksam der Regisseur sein Ensemble beobachtete, wie er aber auch wie ein Patriarch durch die Szene stolziert. Einmal fragt ihn ein Re­gisseur nach den persönlichen Bezügen, und Bergman antwortet: »Ist nicht Kunst immer eine gewisse Therapie für den Künstler?«

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