Kritik zu Atomic Falafel

© Movienet

Nach dem Motto »Da stellen wir uns jetzt janz dumm« wird in Dror Shauls Gaga-Komödie ein drohender Atomkrieg zwischen Israel und Iran vereitelt

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In der israelischen Wüste verkauft oben Mimi mit ihrem Foodtruck scharf gewürzte Falafel-Fladen an die Soldaten. Unten, in einer geheimen Kommandozentrale, planen Militärs den atomaren Erstschlag, um einem iranischen Atomangriff zuvorzukommen. Bis dahin muss aber noch die Internationale Atomenergiekommission, die zu einem Kontrollbesuch angereist ist, genasführt werden. Als bester Spürhund der Kontrolleure erweist sich der deutsche Pazifist Oli – Alexander Fehling als blonder Friedensengel –, der allergisch auf Plutonium reagiert. Dass Oli sich in Mimi verliebt, passt den Militärs gar nicht. Mimis kesse Teenietochter und ihr Freund, ein Hacker, skypen derweil mit einer iranischen Rapperin, die just in der als Angriffsziel auserkorenen Atomstadt lebt.

Inspiriert von Stanley Kubricks »Dr. Seltsam«, will diese Komödie einen Beitrag zur israelisch-iranischen Verständigung leisten. Dass kaum ein Witz zündet, liegt nicht nur an der dramaturgischen Asymmetrie dieser Antikriegsfarce, in der die Selbstironie fast gänzlich auf Kosten der Israelis geht. So fehlen den Klein-Doofi-Kriegstreibern die angemessen bekloppten Gegner, die erst für den komödiantischen Kontrast sorgen würden. Dabei könnte man doch meinen, dass iranische Verhältnisse mindestens so viel Potenzial an Absurditäten bieten.

Statt zum Lachen zu bringen, wirft der Film Fragen auf: Als »erste israelisch-iranische Koproduktion der Filmgeschichte« angepriesen, findet sich unter dem Dutzend Produzenten dennoch kein Hinweis auf den Iran. Lediglich in einem in Klammern versteckten Halbsatz ist von »inoffizieller« iranischer Hilfe die Rede. Ausgeklammert wird auch der politische Kontext: Warum noch mal haben iranische Juden wie Mimis Vorfahren den Iran verlassen? Und ist Olis Beschwerde »Warum seid ihr Israelis immer so brutal?« angesichts der ausufernden Brutalitäten rund um das Hessen-große Israel eventuell ironisch gemeint?

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