Kritik zu Alle Jahre wieder – Weihnachten mit den Coopers

© Studiocanal

2015
Original-Titel: 
Love the Coopers
Filmstart in Deutschland: 
03.12.2015
L: 
120 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Mit Jessie Nelson und Produzentin und Hauptdarstellerin Diane Keaton ist diese Komödie über den Gefühlsstress eines weihnachtlichen Familientreffens weitgehend in weiblicher Hand

Bewertung: 3
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Anders als die Geburtstagsfeste von Patriarchen haben zumindest filmisch Familienweihnachtsfeiern einen schlechten Ruf. Zu abgeschmackt erscheint das auf Happy End getrimmte Szenario, in dem frustrierte Erwachsene, zwangsweise um den Weihnachtsbaum zusammengepfercht, ihre familiären Probleme ausleben. Und dann entfalten Nestwärme, Kerzenlicht, und vielleicht auch die Verdauung des Festmahls ihren Zauber. Alle regen sich ab und mögen sich wieder – bis zum nächsten Jahr und nächsten Weihnachtsfilm. Denn das Genre ist trotz Kitschverdachts eine ziemlich sichere Bank. Die heimelig-jugendfreie Atmosphäre lockt Familien ins Kino. Und schon die Anzahl der Protagonisten sorgt dafür, dass sich die meisten Zuschauer im filmischen Eiertanz zwischen verwandtschaftlicher Anziehung und Abstoßung halbwegs wiedererkennen.

Das weiß auch Jessie Nelson, die 2000 für Rob Reiners Ehedrama »An deiner Seite« das Drehbuch schrieb und hier erneut ein Mittelklassepaar ins Zentrum stellt. Nun aber breitet sie in einem filmischen Wimmelbild die Nöte von vier Generationen, untermalt von den Offkommentaren des verfressenen und allwissenden Haushundes, aus. Die sich auf wenige Stunden vor und nach der Feier beschränkende Handlung hat anfangs vielversprechenden Tiefgang. Denn es geht auch um die unausgesprochenen Erwartungen und Schuldgefühle zwischen Eltern und Kindern. So will sich das Ehepaar Cooper insgeheim trennen, zuvor aber gute Miene zum bösen Spiel machen und ein letztes Weihnachtsfest mit seinem Clan feiern. Tochter Eleanor fühlt sich trotz offensiver intellektueller Kaltschnäuzigkeit insgeheim als Versagerin, weil sie Single ist, und überredet während der Anreise eine Zufallsbekanntschaft dazu, sich als ihren Verlobten auszugeben. Ihr Bruder, ein Familienvater, verbirgt seine Arbeitslosigkeit. Nur Enkel und Urgroßvater leiden nicht unter ihrer Familie, sondern an ihren romantischen Gefühlen. Und dann gibt es neben einer dementen auch eine kleptomanische Tante, der eine originelle Anekdote zugedacht ist.

In einem facettenreichen Kaleidoskop blitzt in diesen Kurzporträts das seelische Sodbrennen der Familienmitglieder, ihr von Fantasien und Erinnerungsfetzen durchzogenes Gefühlschaos, auf. Manche schrägen Momente erinnern stilistisch an Michel Gondry, doch manche Dialoge sind überambitioniert. Abwechselnd grobmotorisch und feinfühlig, smart und bräsig, sarkastisch und kitschig, findet die Komödie zu keiner stimmigen Tonart. Konfus sind auch die Generationenzuschreibungen, etwa wenn die 51-jährige Marisa Tomei als Schwester der 69-jährigen Diane Keaton durchgehen soll. Und doch sind nicht zuletzt die spielfreudigen Stars dafür verantwortlich, dass man sich in diesem Gemischtwarenladen der Menschen und Gefühle bis zum über­zuckerten Schluss nicht langweilt.

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