Kritik zu Abseits des Lebens

englisch © Universal Pictures

In ihrem Regiedebüt spielt Robin Wright eine tragisch verwitwete Frau, die aus ihrem eigenen Leben in die Wildnis flieht und im Kampf mit Raubtieren und Witterungsverhältnissen fast scheitert

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»Land«, einfach nur »Land« heißt der Film im Original, schon das ein Zeichen dafür, dass es hier um eine radikale Reduktion aufs Wesentliche geht. »Warum lebe ich hier noch?«, fragt Edee eher in den Raum hinein als an ihre Schwester Emma gerichtet. Schnell ist klar, dass sie mit einem schweren Schicksalsschlag ringt, was aber genau geschehen ist, klärt sich erst nach und nach, ohne je zerredet oder erklärt zu werden. Edee jedenfalls beschließt, alles hinter sich zu lassen, vor allem die Menschen, die sich immer nur wünschen, dass es ihr besser gehen möge. Sie packt Vorräte, Werkzeuge und Ratgeber in einen Anhänger und fährt ins völlig einsam und abgelegen in den Rocky Mountains gelegene Haus ihres wohl schon vor vielen Jahren verstorbenen Vaters. Das Handy hat sie schon in der Stadt in einen Mülleimer geworfen, den Typen, der ihr den Weg zur Hütte gezeigt hat, bittet sie, jemanden zu organisieren, der ihr Auto samt Anhänger abholt. Keine gute Idee, ohne Fahrzeug in dieser Gegend, meint der, aber Edee lässt sich von ihrem radikalen Entschluss nicht abbringen.

In den letzten Jahren häufen sich die Filme über kathartische Erfahrungen in der Wildnis, von »A Walk in The Woods« mit Nick Nolte und Robert Redford bis zu »Wild – Der große Trip« mit Reese Witherspoon, ein Zeichen der Sehnsucht nach Kontakt mit der Natur. Zu den amerikanischen Outback-Abenteuern kommen noch zahllose europäische Wanderungen über Jakobswege aller Art. Immer geht es dabei um Selbstfindung. Ähnlich wie für Cheryl in »Wild« ist die extreme Naturerfahrung auch für Edee eine Methode der Trauerbewältigung und Sinnsuche, in ihrem Fall eine Art Tabula rasa, in der sie sich selbst aus ihrem eigenen Leben löscht, um womöglich irgendwann wieder zurückfinden zu können. Dabei übernimmt die Natur im Wandel der Jahreszeiten und Witterungsverhältnisse eine weitere Hauptrolle, in langen, ruhigen Blicken (Kamera: Bobby Bukowski) wandelt sich die Landschaft vom Gegner und zum Gefährten.

Erin Dignam, die schon in Wim Wenders' »Submergence« vom Verschwinden in der Natur erzählte, und Jesse Chatham haben das Drehbuch geschrieben, das Robin Wright zu ihrem Regiedebüt gemacht hat, in dem sie zugleich als Hauptdarstellerin und Produzentin fungiert. Wie in den sonst männlich dominierten Robinsonaden muss auch Edee lernen, jenseits der Zivilisation in der Natur zu leben, Holz hacken, Feuer anzünden, einen Garten anlegen, fischen, Fallen stellen, jagen, einen Hirsch häuten, sich mit einem Bären arrangieren. In ihrem ruhigen, konzentrierten Spiel liegt viel von der Kraft dieses existenziellen Selbstwiederfindungsabenteuers, das mehr als sonst zur gelebten Rolle wurde. Immer wieder kommt Edee dabei an ihre Grenzen. Doch erst als sie beinahe erfriert, lässt sie gezwungenermaßen die zurückhaltend rücksichtsvolle Anwesenheit eines einsamen Jägers (Demián Bichir) zu, dem sie das Versprechen abnimmt, keine Neuigkeiten aus der Welt zu bringen, dessen Hund ihr Gefährte wird, von dem sie sich schließlich in die Zivilisation zurückholen lässt.

Meinung zum Thema

Kommentare

Hallo, selten passiert es, und ist dann umso ärgerlicher: Mir wird der gesamte Plot von "Abseits des Lebens" verraten. Muss das sein, liebe Autorin? Ich habe ja schon gelernt, Sätze in Filmkritiken, die mit "Am Ende ..." beginnen, sofort zu überlesen, hier war ich aber leider zu langsam. Bitte mehr Rezension und weniger Nacherzählung! Gruß -Th. Östreicher

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