Kritik zu Ab ans Meer!

© Der Filmverleih

2014
Original-Titel: 
Pojedeme k mori
Filmstart in Deutschland: 
11.08.2016
Musik: 
L: 
90 Min
FSK: 
6

Der tschechische Schauspieler Jiri Mádl erzählt in seinem Regiedebüt die Welt aus Sicht eines kleinen Jungen und beginnenden Filmemachers

Bewertung: 3
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Starke Gefühle und Romantik sind der Schlüssel zu einem großen Film«, sagt Thomas. Er muss es wissen. Denn er ist zwar gerade erst elf geworden. Doch nachdem er von seinen Eltern zum Geburtstag eine Videokamera geschenkt bekommen hat, träumt er von einer Karriere als genialer Filmemacher. Und er dreht auch fleißig und ambitioniert. Doch Papa sieht die Zukunft seines Söhnchens lieber im örtlichen Fussballverein. Das liegt wohl auch an den regelmäßigen Trainingsstunden der Mannschaft, die er (ein Vintage-Möbel-Händler) dazu nutzt, zwei Mal in der Woche von seinem Computer-Heimarbeitsplatz in der Familienwohnung zu verschwinden.

Weil diese schlecht getarnte (wie so oft im wirklichen Leben wird die kindliche Intelligenz auch hier unterschätzt) Heimlichkeit dem Jungen nicht verborgen bleibt, setzt sich Thomas in guter Detektivtradition auf Papas Spuren. Dabei legen sowohl seine Fantasie wie auch die Genretraditionen nahe, mit den versteckten Machenschaften würde eine heimliche Liebesaffäre den nur scheinbar idyllischen Idealfamilienalltag zerbrechen. Und selbstverständlich fließt die ganze Recherche samt Taxiverfolgungsfahrt als Spannungselement in Thomas’ Film ein, der – im Reportagestil aufbereitet – bis in liebevoll nachgestaltete Unschärfen weitgehend mit dem Leinwandprodukt identisch ist. Gespiegelt wird diese Recherche im Familiendrama von Thomas’ bestem Freund Harris, dessen Mutter unter den täglichen Übergriffen ihres gewalttätigen Ehemannes leidet. Als ergänzende Nebenfiguren kommen eine mit einer Kaffehaubenperücke arg verunstaltete Großmutter und ein erstes weibliches Liebesobjekt hinzu – so niedlich kulleräugig, wie es sich nicht nur Elfjährige erträumen.

Auch die beiden Protagonisten selbst entsprechen ganz dem Kindchenschema. Dennoch kommt nach dem etwas zu harmlosen Anfang nach zehn Minuten tüchtig Schwung in die mit Formbewusstsein, Witz und erfreulicher Selbstironie erzählte Geschichte, die sich als Extrabonus für Erwachsene mit etwas Filmgeschichte schmückt. Dazu passt, dass sich der Elfjährige keinen Youtube-Helden zum Vorbild erkoren hat, sondern ausgerechnet den in Ehren ergrauten ehemaligen Neue-Welle-Protagonisten Miloš Forman, dessen Filmwelten in der mit einigem derben Humor liebevoll grotesk gezeichneten Kleinstadtszenerie nachhallen. Obwohl die Schüler ihrer Lehrerin ganz brav zum Ferienbeginn applaudieren, werden dabei auch die unschönen Seiten des Schüleralltags nicht ausgespart.

Die Romantik bleibt zwar bald auf der Strecke, aber starke Gefühle gibt es trotzdem, wenn auch (wie Papas Geheimnis) ziemlich anderes gelagert als von Thomas gedacht. Dabei ist die Botschaft am Ende selbstverständlich positiv, pädagogisch wertvoll und kindgerecht. Schade nur, dass auch die stereotypen Geschlechterrollen der Sicht eines Elfjährigen entsprechen.

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