Filmkritiken
Woche vom 03.06.2026
Der Ansatz des anderen Blicks auf Genderverhältnisse geht auf: Im „neuen Westen“ müssen Frauen wie das Patchworkfamilien-Oberhaupt, Pferdertrainerin, Rodeoreiterin und Witwe Tabatha nicht mehr die Liebe zu einem Mann als alles (er)lösenden Ausweg entdecken. Stattdessen wird sämtlichen Held:innen zugestanden, die eigene Verletzlichkeit und Stärke zu finden und zu nutzen.
Sie ist ungewollt schwanger und er todkrank: Simon Ostermann erzählt davon, wie Tochter und Vater wieder zueinander finden - trotz aller TV-Konvention mit großer Leichtigkeit und Charme.
Eine gespielt-echte Familie erlebt in Frankreich und Guinea-Bissau Zeremonien und bleibt doch ganz sie selbst.
Nachdem Jan Komasa im letzten Jahr mit „The Change“ versuchte, ein amerikanischer Regisseur zu werden, stellt er sich nun erheblich überzeugender als ein englischer vor. In seinem Kammerspiel entführt ein sittenstrenger Familienvater einen jungen, zügellosen Rowdy mit der Absicht, ihn umzuerziehen. Die Satire über bizarre Wahlverwandtschaften ist fesselnd besetzt, ziemlich nasty und steckt voller verstörender Wendungen.
Kilian Armando Friedrich verbindet dokumentarische Unmittelbarkeit mit präzisem sozialem Blick. Sein Spielfilmdebüt zeigt, was sonst unsichtbar bleiben soll: die Erschöpfung, Würdelosigkeit und stille Gewalt einer Arbeitswelt, die nur funktioniert, solange Menschen sich selbst aufreiben. Atemlos, beklemmend, mit einer großartigen Hauptdarstellerin.



