Kritik zu Patti Cake$ – Queen of Rap

© 20th Century Fox

2017
Original-Titel: 
Patti Cake$ – Queen of Rap
Filmstart in Deutschland: 
02.11.2017
L: 
109 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Du bist hinreißend, Boss Bitch! ­ Ein übergewichtiges Mädchen und ihre Außenseiterfreunde erobern sich mit »street credibility« eine Rapper-Karriere

Bewertung: 4
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In New Jersey ist die Tristesse der Jugend traditionell besonders ausgeprägt, wie man etwa in den Filmen von Kevin Smith gut beobachten kann. Und wenn Todd Solondz einen Film hier spielen lässt, nutzt es gewiss nichts, dass er »Happiness« heißt. Allein in Jim Jarmuschs »Paterson« ist auch das tägliche Einerlei noch mit einem feinen Schleier der Poesie überzogen. Zwischen menschenleeren Straßen und provinziellen  Einfamilienhäusern, auf den Parkplätzen vor Supermärkten, in Videotheken und Kneipen herrscht eine überwältigende Aussichtslosigkeit, die sich im Grunde nur abschütteln lässt, wenn man den Ort hinter sich lässt oder, so wie Patti (Danielle Macdonald), eine Menge Fantasie hat. Was sie sieht, wenn sie morgens in den Spiegel schaut, ist nicht sonderlich ermutigend, frisselig in alle Richtungen fliegende Minilöckchen, geröteter Teint, kleine Äuglein im aufgeschwemmten Gesicht und ein wogender Körper. Trotzdem ruft sie ihrem Spiegelbild einen anerkennenden Morgengruß mit Victory-Zeichen entgegen: Du bist hinreißend, du Boss Bitch!

Ähnlich wie Melissa McCarthy und Rebel Wilson hat sich auch die Australierin Danielle Macdonald von allen gängigen Schönheitsidealen emanzipiert. Als Patti füllt sie ihre ausladende Erscheinung mit mitreißender Lebenslust, trotzigem Selbstbewusstsein und einem entwaffnenden Lächeln. Das Licht mag sich in dunstigem Grau über die Szenerien legen, sie bringt die Welt um sich herum trotzdem zum Strahlen. Und wenn sie mit ihrem schweren Patti-Wagon vor der Apotheke vorfährt, in der ihr indischer Kumpel Jheri (Siddharth Dhananjay) arbeitet, und den langen Gang auf die Kasse zuläuft, dann feiert er sie mit dem Ladenmikrofon als »Killa P.«, als »Queen of Rap«.

Patti Dombrowski jobbt als Kellnerin und träumt von einer Karriere als Rapstar. Dabei lässt sie sich weder vom ernüchternden Vorbild ihrer als Sängerin gescheiterten Mutter Barb (Bridget Everett) noch von deren bösen Angriffen entmutigen. Zusammen mit Jheri und dem dreadlockigen Schwarzen Basterd (Mamoudou Athie), der in einer Hütte im Wald lebt, bildet sie ein Außenseitertrio, das seine Musikerkarriere gegen alle Widerstände und Rückschläge verteidigt. Als Pattis an den Rollstuhl gebundene Großmutter Nana (Cathy Moriarty als Arbeiterklassen-Version von Faye Dunaway) betreut werden muss, wird sie kurzerhand in die Crew integriert, und steuert zur Aufnahme für eine Old-School-Demo-CD mit ihrer Raucherstimme die ersten Buchstaben der Crew-Namen als Refrain bei: PBNJ.

Genau wie seine Underdog-Helden ist auch der Werbefilm- und Videoregisseur Geremy Jasper in New Jersey aufgewachsen. Im Grunde gleicht das Plattenprojekt seiner ungeschliffenen Underdog-Helden der Entstehungsgeschichte seines Filmdebüts. Pattis gewitzt rotzige Reime hat er selbst verfasst und den Soundtrack zusammen mit Jason Binnick komponiert. Kein Wunder, dass der Coming-of-Age-Geschichte mit ihrer ebenso liebenswerten wie rauen Wahrhaftigkeit die Herzen auf dem Sundance Festival zugeflogen sind.

Meinung zum Thema

Kommentare

Sehr geehrte Frau Sterneborg,

ich habe ihre Kritik zu Patti Cakes gelesen, insbesondere war ich an der Hauptdarstellerin interessiert. Und da schreiben Sie "Ähnlich wie Melissa McCarthy und Rebel Wilson hat sich auch die Australierin Danielle Macdonald von allen gängigen Schönheitsidealen emanzipiert."

Nun habe ich mir mal ein paar Bilder von den von ihnen erwähnten anderen Schauspielerinnen angeschaut. Und da fällt vor allem auf, dass auch diese stark übergewichtig sind. Allerdings fällt mir nun so nicht auf, inwiefern sie sich von all den anderen gängigen Schönheitsidealen emanzipiert haben. Sie zeigen keine Hautunreinheiten, haben makellose Zähne, rasierte Beine, etc. Insofern kann ich ihren Satz leider nicht nachvollziehen.

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Digg

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