"Was tut sich?" mit Ulrich Köhler

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Ein Film über Dreharbeiten in Afrika und die Reibungen von race, class und liberalen Selbstbildern: präzise beobachtet, subtil satirisch und lustvoll ambivalent. Regisseur Ulrich Köhler spricht über »Gavagai« mit epd-Autor Ulrich Sonnenschein

Ein merkwürdiges Bild: Maren Eggert am Strand von Dakar, mit Sonnenschirm, die Beine sehr weiß unter dem Bademantel. Zufall ist das nicht. In Ulrich Köhlers Film »Gavagai« geht es um race, class, auch gender – und darum, wie diese Marker in liberalen Milieus aufeinandertreffen. Eggert spielt Maja, Hauptdarstellerin einer Arthouse-Adaption von Franz Grillparzers »Medea«. Die französische Regisseurin besetzt die Griechen mit senegalesischen Darstellern, um Medeas Fremdheit zu betonen. Doch das Bild kippt: Es wirkt, als würde eine Weiße von einer schwarzen Mehrheitsgesellschaft diskriminiert. Auch abseits des Sets bleiben die Verhältnisse unklar: Werden Komparsen ausgeschlossen als Komparsen oder als Schwarze? Ist das Auftreten von Nourou (Jean-Christophe Folly), der seine Karriere nach Frankreich verlagert hat, beim Dinner Ausdruck von Klasse? Warum glaubt Maja, die mit Nourou eine Affäre hat, ihn korrigieren zu müssen? Ein Jahr später, bei der Berlin-Premiere, eskaliert ein Vorfall um racial profiling: Maja sorgt dafür, dass ein Sicherheitsmitarbeiter entlassen wird – ein moralischer Akt, der selbst neue Ungleichheiten sichtbar macht.

Ulrich Köhler, geboren 1969 in Marburg, aufgewachsen in Zaire und Hessen, zählt zu den prägenden Stimmen der Berliner Schule. In präzise beobachteten Filmen wie »Bungalow«, »Montag kommen die Fenster« und dem mit dem Silbernen Bären ausgezeichneten »Schlafkrankheit« verhandelt er häufig postkoloniale Themen und gesellschaftliche Spannungen. »Gavagai« entfaltet subtil satirisch eine Serie leiser Peinlichkeiten und zwingt dazu, das Gutgemeinte vom Fragwürdigen zu unterscheiden.

Film und Werkstatt-Gespräch am 21.6. ab 20.00 Uhr

DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum
Schaumainkai 41
60596 Frankfurt 
Karte

Vorverkauf an der Museumskasse
Di – So 10 Uhr bis 18 Uhr
Tel.: +49 69 961 220 – 220
kinokasse@dff.film

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