DVD-Tipp: »The Vourdalak« (2023)

© Lighthouse Entertainment

Im 18. Jahrhundert findet ein junger Edelmann Zuflucht bei einer Familie, die bald von einem Wesen heimgesucht wird

Mit vollendeter Höflichkeit stellt der Edelmann sich der Bauernfamilie vor, die ihn nach einem Überfall im Wald aufgenommen hat. Sein Name sei Marquis Jacques Antoine Saturnin d'Urfé, unterwegs im diplomatischen Auftrag seiner Majestät, des Königs von Frankreich. Dazu macht er einen Kratzfuß und lüftet den Dreispitz, darunter die Perücke, darunter das gepuderte Gesicht mit dem aufgeklebten schwarzen Schönheitsfleck, darunter die Rüschen, Borten und Manschetten seiner Höflingstracht, Kniebundhosen und weiße Strümpfe. Die Etikette des Hofes ist eine Bastion gegen die Rauheit der Wildnis, in die es ihn verschlug, und an ein Wunder grenzt, dass er es überhaupt so weit geschafft hat.

Mit »The Vourdalak« adaptiert Adrien Beau die 1840 entstandene schauerromantische Erzählung »Die Familie des Wurdalak« von Alexei Tolstoi, einem Cousin des berühmteren Leo. Angesiedelt ist sie in jenem unscharf umrissenen mythischen Raum, in dem Dracula beziehungsweise dessen unterschiedlichen Ausprägungen und legendären Varianten ihr blutrünstiges Unwesen treiben. Hier ist es der slawische Wurdalak, der an seinem Leichentuch zuzelt, wenn er sich nicht gerade an seiner Verwandtschaft vergreift. Oder in die Irre gelaufene französische Jünglinge ins Visier nimmt.

Beaus Langfilmdebüt lebt nicht nur von der Spannung, die sich auf der Handlungsebene zwischen den Ständen, vor allem zwischen dem Marquis und der schönen Bauerntochter Sdenka entwickelt. Beau gelingt es auch, einen zugleich traditionell und innovativ anmutenden Film zu inszenieren. Als sehr effektiv erweist sich da der Einsatz einer – von Beau selbst geführten und eindringlich artikulierten – mannshohen Figur, die den Wurdalak als schauerlich lebendiges Skelett vorstellt. Der Kontrast zwischen dem Marionettenhaften dieses kalten Todesboten und den heißen Leidenschaften, die seine Opfer (noch) umtreiben, tut ein Übriges und beweist: Ebenso wie der Wurdalak ist auch der Vampirfilm nicht totzukriegen.

 

 

Bestellmöglichkeit (Blu-ray)

Streaming-Möglichkeiten (JustWatch)

 

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns

Mit dieser Frage versuchen wir sicherzustellen, dass kein Computer dieses Formular abschickt