Magenta TV: »A Spy Among Friends«

»A Spy Among Friends« (Miniserie, 2022). © Sony Picture Television

»A Spy Among Friends« (Miniserie, 2022). © Sony Picture Television

Ein Verrat in Freundschaf

Der Reiz, den britische Geheimdienste auf Serienmacher*innen ausüben, scheint beinahe grenzenlos zu sein. Man kommt kaum hinterher bei all den Geschichten, die über die Agentinnen und Agenten von MI5 und MI6 erzählt werden, seien es nun zeitgenössische wie in »Slow Horses« und – besonderer Tipp, bevor Lionsgate+ in Europa dichtmacht – »The Capture« oder historische wie »Spy City«. In letztere Kategorie fällt nun auch »A Spy Among Friends«, ein Sechsteiler, der die wahre Geschichte rund um Kim Philby erzählt.

Als die Serie im Jahr 1963 einsetzt, ist der hochverdiente MI6-Agent Philby (Guy Pearce) gerade als russischer Spion enttarnt worden. Sein MI6-Kollege Nicholas Elliott (Damian Lewis), mit dem ihn eine 20-jährige Freundschaft verbindet, hatte über die Jahre zwar so manchen Verdacht, ist aber dennoch schockiert und fühlt sich übergangen. Höchstselbst möchte er die Aufgabe übernehmen, Philby im Libanon zu befragen und idealerweise zurück nach Großbritannien zu holen.

Doch dann kehrt Elliott nur mit einem eher schwachbrüstigen Geständnis zurück, während es Philby gelingt, in die Sowjetunion zu reisen und unterzutauchen. Hat Elliott seinen Freund abhauen lassen? Und ist er womöglich selbst für den KGB tätig? Je länger die MI5-Agentin Lily Thomas (Anna Maxwell Martin) ihn befragt, desto mehr Zweifel kommen auf. Derweil sind die eigenen Leute nicht die Einzigen, die einen genauen Blick auf den weit bis in den Zweiten Weltkrieg zurückreichenden Fall werfen.

Wie üblich bei einer Geschichte, die sich über einen so langen Zeitraum erstreckt und von hinten aufgerollt wird, springt die Erzählung immer wieder zurück in andere Zeitebenen. Es geht zurück zum »Blitz«, ins Nazi-Deutschland oder in die Anfangstage des Kalten Krieges, als Settings dienen neben London unter anderem Istanbul, Moskau und Ohio, und weil neben den durchaus konkurrierenden heimischen Verantwortlichen auch die Russen und die Amerikaner in die Sache verwickelt sind, wird es fürs Publikum sehr schnell sehr unübersichtlich. Dass visuell ausgewaschen-graue Bilder dominieren, ganz gleich, wo wir uns gerade befinden, macht die Sache nicht leichter.

Nun ist es prinzipiell kein Problem, wenn eine Serie mal viel Aufmerksamkeit verlangt und sich nicht ohne Weiteres zum Nebenbeigucken eignet. Zumal wenn Guy Pearce den charismatischen Menschenflüsterer gibt und Damian Lewis durchaus doppelbödig den Schmerz eines betrogenen Liebhabers zur Schau trägt. Große Klasse ist auch Anna Maxwell Martin, deren Figur allerdings allzu deutlich als Platzhalterin des modernen Umbruchs markiert ist, der in den 60er Jahren auch in den elitären Geheimdiensten zaghaft Einzug hält. Einen gewissen Biederkeitsmuff allerdings wird »A Spy Among Friends« (Regie: Nick Murphy, Drehbuch: Alex Cary) nie ganz los, und so wirklich als Thriller in Fahrt kommt diese Verratsgeschichte leider kaum.

OV-Trailer

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