Amazon: »The Tomorrow War«

© Amazon Studios

Zusammen in die Zukunft

Originell zumindest ist der Einstieg: Biolehrer Dan Forester (Chris Pratt) schaut mit seiner kleinen Tochter im Fernsehen das Endspiel der WM, die kommendes Jahr in Katar stattfinden wird. Amerikaner und Fußball? Zeit, sich zu wundern, hat man nicht. Ein Brasilianer stürmt nämlich gerade alleine aufs gegnerische Tor zu, kommt aber nicht zum Abschluss. Eine Gruppe Zeitreisender, die jäh auf dem Spielfeld erscheint, versperrt ihm den Weg. Sie erklären der zugeschalteten Weltbevölkerung, dass die Menschheit im Jahr 2051 von einer räuberischen Spezies ausgerottet werden wird. Es sei denn, die Weltgemeinschaft schließt sich zusammen und zieht – mittels Zeitmaschine – in einen Krieg, der ja aus ihrer Sicht noch gar nicht begonnen hat.

Das ist die Ausgangssituation eines eigentlich recht ambitionierten Katastrophen-Thrillers, den Chris McKay ursprünglich fürs Kino konzipiert hat. Kolportierte 200 Millionen Dollar soll Amazon für die Streaming-Auswertung dieses Films investiert haben, der, so viel ist sicher, auf der großen Leinwand nicht funktioniert. Im Gegensatz zu Christopher Nolans »Tenet«, wo das Reisen durch die Zeit visuell einfallsreich umgesetzt wurde, mangelt es dem Drehbuch von Zach Dean schlichtweg an Originalität.

In Anlehnung an »Zurück in die Zukunft«, in dem Marty McFly als Zeitreisender mit der egenen Mutter flirtet, trifft Dan Forester im Jahr 2051 auf seine erwachsene Tochter. Es knistert schon etwas. Doch für inzestuöse Erotik ist keine Zeit. Dan muss mit seiner Tochter ein Gift entwickeln, das die gefräßigen Monster in der Vergangenheit ausrotten soll – und zwar noch bevor sie in der Zukunft überhaupt gefährlich werden können. Zeit-Paradoxon? Spielt keine Rolle.

Als Action-Spektakel hätte dieser Thriller ganz unterhaltsam werden können. Leider überzeugt die computeranimierte Darstellung des postapokalyptischen Miami überhaupt nicht. Vor allem das Design der gefräßigen Kreaturen ist ziemlich einfallslos. Man hat einfach H.R. Gigers echsenartige Aliens samt Vagina-dentata-Look weiß lackiert. Das Dauerfeuer auf diese Monster, die wie in Paul Verhoevens »Starship Troopers« in endlos wimmelnden Horden aufmarschieren, mutet bald wie ein monotones Computerspiel an.

Passend zu dieser comicartigen Erzählung mit ihren plakativen Dialogen (»Wir haben Kontakt« – »Knallt sie ab!«) wirkt Chris Pratt in der Rolle des Irak-Veteranen und Biologielehrers matt und nichtssagend. An seiner Seite agieren fast ausschließlich Afroamerikaner und Frauen. Diese programmatische Diversität wirkt aufgesetzt, weil die Nebenfiguren kaum Profil entwickeln. Außerdem wird am Ende wieder die Kleinfamilie gefeiert.

Nicht so ganz glaubhaft ist daher auch die ökologische Botschaft dieses Katastrophenfilms. Da uns, wie es heißt, dank Klimawandel zwischen 2023 und 2048 die Polareisschmelze heimsuchen wird, plädiert der Film dafür, dass die Weltgemeinschaft ihre Streitigkeiten beilegt und an einem Strang zieht. Immerhin ist es gut gemeint.

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