DVD-Tipp: Studio Ghibli-Filme

»Wie der Wind sich hebt« (2013). © Universum

»Wie der Wind sich hebt« (2013). © Universum

Reich der Fantasie

Allein schon das Farb- und Formenspiel der Wolken ist eine reine Augenweide, mal quellend, mal ausgefranst, mal dunstig schlierig und mal scharf konturiert, in allen Tönen von Weiß, Grau, Blau über Rosa und Lila bis Feuerrot. Natürlich muss der Himmel eine besondere Rolle spielen, in einem Film, der wie »Wie der Wind sich hebt« vom Glück des Fliegens erzählt. Aber auch sonst gibt es noch unendlich viel zu entdecken in den Filmen des japanischen Animationsstudios Ghibli, die derzeit nach und nach in wunderschönen Blu-ray-Ausgaben bei Universum erscheinen. Zum Beispiel die skizzenhaften Zeichnungen, mit denen Isao Takahata den Alltag einer Familie mit zwei Kindern und exzentrischer Oma in »Meine Nachbarn die Yamadas« einfängt, die so ähnlich auch im Westen passieren könnte. Oder das zarte Coming of Age der 13-jährigen Shizuku, die lernt, der »Stimme des Herzens« (Regie: Yoshifumo Kondo) zu folgen, in einem Film, der sehr viel alltäglicher gestaltet ist als die überbordenden Abenteuer von Hayao Miyazaki. Aber auch, wenn sich die eigenwilligen und selbstbewussten Mädchen, von denen es in den Ghibli-Filmen nur so wimmelt, ihren Weg durch eine realistische Welt bahnen, kommen die wesentlichen Inspirationen immer wieder aus der Fantasie, dem Traum und der Erinnerung: »Das Gute an einem Traum ist, dass man überall hin kann«, sagt der italienische Flugzeugkonstrukteur Caproni in »Wie der Wind sich hebt« und liefert damit en passant auch das Motto des Studios. Natürlich öffnen sich auch für Shizuku ein paar wundersame Schlupflöcher für die Fantasie, wenn sie ihre Geschichten über den Katzenbaron erfindet, um den sich ein paar Jahre später in »Das Königreich der Katzen« (Regie: Hiroyuki Morita) ein ganzer Film rankt, mit einer magischen Parallelwelt für Menschen mit Herz, in denen ein Mädchen von einer Katzenhorde weggetragen und von einem Vogelschwarm durch die Luft gezogen wird. Auch hier geht es für die junge Heldin darum, zu ihrem wahren Selbst zu finden und es beherzt gegen das fremde Katzenhafte zu verteidigen. Immer wieder wechseln die Ghibli-Wesen zwischen den Welten von Mensch und Tier, wie auch die Marderhunde, die in Pom Poko ihren bedrohten Lebensraum in Gestalt von Menschen und Geistern verteidigen. Im reichen Bonusmaterial erfährt man viel über den Geist, aus dem diese Filme entstehen. 

»Wie der Wind sich hebt« (2013). © Universum

Angetreten sind die beiden Ghibli-Gründer Takahata und Miyazaki vor gut 30 Jahren, um frischen Wind in die Welt der Animation zu pusten. Lange Zeit standen sie für ganz unterschiedliche Stile, der eine erfand turbulente Actionabenteuer, die sich aus Mythen und Legenden speisten, der andere war einem eher kontemplativen Realismus zugeneigt. In den Filmen, mit denen sie nun ihren Abschied und den Neuaufbruch des Studios einleiten, haben sie sich angenähert. Takahata huldigt mit der ebenso luftigen wie melancholischen Legende der Prinzessin Kaguya den Wundern der Natur. Die opaken Manga-Flächen lösen sich zugunsten traditioneller Aquarell- und Tuschetechniken auf, und wenn das Mädchen gegen gesellschaftliche Zwänge rebelliert, geraten die Bilder in expressiven Furor. Angesichts einer Welt voller Krisen und Katastrophen wollte sich auch Miyazaki in stärkerem Maße der Wirklichkeit stellen, mit einer Geschichte über Jiro Horikoshi, den Konstrukteur des Jagdbombers Typ Zero, die von den Zwanzigerjahren bis zum Zweiten Weltkrieg reicht. Die Art, wie Jiro seine Träume und den Glauben an Schönheit und Liebe gegen das Grauen des Krieges verteidigt, macht ihn auch zum Seelenverwandten des Regisseurs. Fünf Jahre lang hat der an dem Film gearbeitet, der mit einer sinnlichen Fülle an Nuancen und Details aufwartet. Damit haben die beiden Meister auch den Weg in die Zukunft gewiesen, wo Regisseure wie Hiromasa Yonebayashi bereitstehen, um zu übernehmen: In seinen »Erinnerungen an Marnie« begegnet ein kleines asthmakrankes Mädchen in einer verwunschenen Villa im malerisch sumpfigen Marschland einer imaginären, geisterhaften Freundin. Die Schlupflöcher zur Fantasie wird es hier immer geben.

»Wie der Wind sich hebt« (Bestellmöglichkeit Blu-ray)

»Stimme des Herzens« (Bestellmöglichkeit Blu-ray)

»Das Königreich der Katzen« (Bestellmöglichkeit Blu-ray)

»Der Mohnblumenberg« (Bestellmöglichkeit Blu-ray)

»Pom Poko« (Bestellmöglichkeit Blu-ray)

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