DVD-Tipp: "Hans Kloss - Spion zwischen den Fronten"

© Ascot Elite

2012
Original-Titel: 
Hans Kloss. Stawka wieksza niz smierc
Filmstart in Deutschland: 
22.07.2014
L: 
104 Min
FSK: 
16
Polnischer Bond

Das polnische Kino besteht nicht nur aus feinem Arthouse (Ida, Imagine) oder den Klassikern wie Wajda und Kieślowski. Regelmäßig setzten sich lokale Komödien oder Actionhits an die Spitze der polnischen Charts, so auch der im März 2012 gestartete "Hans Kloss – Spion zwischen den Fronten".

In der DDR aufgewachsenen Zuschauern dürfte die polnische Agentenserie Sekunden entscheiden von 1967/68 noch in Erinnerung sein. Dort agierte der polnische »Kundschafter« Janek getarnt als deutscher SS-Offizier Hans Kloss hinter den Linien. Die ordentlich gemachte 18-teilige Serie war ein Quotenhit im damaligen Polen und auch in den damaligen »befreundeten sozialistischen Republiken« wie der DDR.

Wie um diesen Ostalgiefaktor zu bedienen, hat sich nun der Anbieter »Pandastorm« entschlossen, nach der Veröffentlichung der TV-Serie im Vorjahr auch die moderne Verfilmung des noch jungen Regisseurs Patryk Vega (Jahrgang 1977) zu veröffentlichen. Diesmal spielt die Handlung 1945 in Königsberg und 30 Jahre später in Madrid, Polen und der DDR. Es geht um nichts Geringeres als das verschollene Bernsteinzimmer. Schon am Ende des Krieges in Königsberg versucht der polnische Superagent Hans Kloss, den grundfiesen Nazis um SS-Mann Brunner das Bernsteinzimmer zu entreißen. Patryk Vega inszeniert das leider in einer Mischung aus Billig-Tarantino und (unfreiwilliger?) Klamotte. Da foltern blondierte Nazis schöne Frauen oder mähen Häftlinge mit dem Maschinengewehr nieder. Immer wieder lodert Pyrotechnik auf, und Vega versucht mit seinem Drei-Millionen-Dollar-Budget, zumindest in den Actionszenen zu blenden. So kann man den Plot und die Figuren nie ernst nehmen. Die deutschen Abziehbilder-Nazis ebenso wenig wie diesen polnischen Pre-James-Bond.

Auch die Schauspieler sind eine einzige Enttäuschung. Selbst so gestandene Mimen wie Daniel Olbrychski oder Piotr Adamczyk chargieren sich peinlich durch den Film. Sympathisch wirkt allerdings das Interview des Altstars Olbrychski im Bonusmaterial. Technisch ist die BluRay gelungen und bietet erfreulicherweise auch die Originalfassung mit UT an.

 
Anbieter: Ascot Elite
Extras: Interviews, Originaltrailer, Trailershow
Ton: Deutsch (DTS, DD 5.1), Polnisch (DD 5.1) 
 
 
 

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