Nahaufnahme von Fares Fares

Nordic Noir
Fares Fares in »Die Nile Hilton Affäre« (2017). © Port au Prince

Fares Fares in »Die Nile Hilton Affäre« (2017). © Port au Prince

Es begann alles so gut gelaunt, in »Jalla! Jalla!«. Dem internationalen Publikum ist der Schwede Fares Fares aber vor allem als Dunkelmann oder Cop in Thrillern, Actionfilmen und Jussi-Adler-Olsen-Krimis bekannt

Schweden hat eine lange Tradition beim Export von Schauspielern. Das ist nicht verwunderlich; Schweden haben weniger Probleme mit dem Englischen als andere Nicht-Angelsachsen wie zum Beispiel deutsche Muttersprachler, die sich ihren Akzent nie ganz abtrainieren können. Und mit ihrer blond-blauäugigen Hünenhaftigkeit hinterlassen Schauspieler wie Peter Stormare, Joel Kinnaman oder Stellan Skarsgård & Söhne auf der Leinwand stets bleibenden Eindruck. Doch da gibt es einen Schweden, der ebenfalls ­einen Zweitwohnsitz in Los Angeles hat und ausgesprochen raumfüllend ist, der aber mit seinem Riesenzinken, dem wilden schwarzen Haar und den stechenden Augen kein bisschen wikingerhaft wirkt: den »Araber«, wie Fares Fares in der Krimiverfilmung »Schändung« von einem Polizeikollegen genannt wird. Tatsächlich begann die Karriere von Fares im Jahr 2000 ganz klassisch mit der rustikalen Culture-Clash-Komödie »Jalla! Jalla!«, in der er sich als libanesischstämmiger Schwede auf tollpatschige Weise den Zwangshochzeitsplänen seiner Familie zu entziehen versucht. Das ist sicherlich inspiriert vom eigenen Umfeld, obwohl die Entstehung von »Jalla! Jalla!«, gefolgt von der noch erfolgreicheren Komödie Kops, vor allem den Beweis liefert, wie gut Familienkombinate arbeiten können. Denn Regie führte beide Male Bruder Josef, und Papa Jan spielte auch mit. »Jalla! Jalla!« jedenfalls atmete Wahrheit – und traf mit seinem Konflikt, in dem sich ein sensibler Junge gegen die Traditionen seines betont maskulinen Milieus durchsetzen muss, mitten ins Schwarze. Fares stieg im Nu zum größten heimischen Star auf.

Im Gegensatz aber zu ethnisch diversen Schauspielern wie etwa Kad Merad oder ­Elyas M’Barek, deren Aufstieg ebenfalls über familienfreundliche Komödien erfolgte, ­entwickelte sich Fares in die entgegengesetzte Richtung. Er spielte anschließend meist den Cop oder den Killer. Als Komiker oder Sonnyboy scheint Fares Fares, obwohl offscreen, ein attraktiver und verschmitzter Typ, kaum vorstellbar. Schon wenn er als verliebter Jungspund in »Jalla! Jalla!« wie ein ausgelassener Welpe um ­seine schwedische Angebetete herumtollt, hat sein Charme einen Beigeschmack von Melancholie und Verletzlichkeit. Später gelang es ihm, stereotypen Dunkelmännern Zerrissenheit und Tiefgang zu verleihen, etwa im Actionthriller »Easy Money« von Daniél Espinosa.

Im Kielwasser von Espinosa, einem weiteren schwedischen Einwandererkind mit Kurs auf Hollywood, durfte schließlich auch Fares mit den ganz Großen spielen. In Safe House macht er als Hitman Vargas Jagd auf Denzel Washington; in »Kind 44« wird er als russischer Milizionär in einem internen Machtkampf zerrieben. Ein Hingucker ist er auch in Kathryn Bigelows »Zero Dark Thirty« als CIA-Offizier Hakim. Und in »Rogue One« ergatterte er, ein kleiner Ritterschlag im Mainstream-Kino, als Senator Vaspar ein Plätzchen im Star Wars-Universum. Zeitgleich wurde seine heimische Karriere durch den Boom der »Nordic Noir«-Krimis weiter angetrieben. In bisher drei Verfilmungen der Romane von Jussi Adler-Olsen spielt er Assad, den aus Syrien stammenden Assistenten von Kommissar Carl Mørck. Er verkörpert den lockeren Typ im Hintergrund, weniger deprimiert als sein Kollege, den er oft auf den Pfad der Gesetzestreue zurückbringt – ist aber in seiner verhaltenen Art rätselhafter als der sich doch recht laut in seinem Weltschmerz suhlende Mørck.

Am Ende des Krimis »Erbarmen« ist er, als Muslim, beim Beten zu sehen. Doch Fares Fares hatte zu Beginn seines Engagements darauf bestanden, dass die Religiosität seiner Rolle heruntergedimmt wird, weil er fühlte, dass sie für die Geschichte nicht wichtig war. Er empfand den Charakter als zu klischeehaft. Das mag damit zusammenhängen, dass er selbst so gar nicht den Vorurteilen über arabische Migranten, denen man mangelnde Integration und religiösen Fanatismus unterstellt, entspricht. Seine christlich-aramäische Familie, die 1987 im Bürgerkrieg aus Beirut nach Schweden floh, ist vorbildlich integriert, sein Bruder Josef, ein preisgekrönter Videospielproduzent, in Schweden fast so bekannt wie sein Bruder. »Ich habe kein Problem mit nahöstlichen Rollen, solange sie kein Klischee sind«, sagt Fares. Das belegt er nun in »Die Nile Hilton Affäre« als Kairoer Polizist, der zugleich bestechlich ist und in einer grotesk korrupten Gesellschaft um Gerechtigkeit kämpft – ein Spagat, wie ihn nur Fares Fares hinkriegt.
 

»Die Nile Hilton Affäre« startet am 5. Oktober

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