Vermischte Nachrichten

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Es wäre reine Heuchelei zu behaupten, ich hätte mich noch nie der Filmpiraterie schuldig gemacht. Man redet sich ja gern ein, man würde sich da in juristischen Grauzonen bewegen. Und wer weiß, ob YouTube den Rechteinhabern der Filme, die ich dort studiere, nicht tatsächlich etwas zahlt?

Wenn ich mich jetzt aus der Deckung wage, tue ich es in der Hoffnung, dass man mir nur ein minder schweres Vergehen anlasten könnte. Mein öffentliches Geständnis ist jedenfalls von einiger Banalität: Ebenso wie mutmaßlich viele Leser des Londoner »Independent« habe ich mir gestern eine Aufnahme von Martin Scorseses »The Audition« angesehen, die ein Unbekannter während der Premiere in Macao mit seinem Smartphone machte. In meinem Eintrag »Nebenverdienst« vom 31. 1. habe ich schon über diesen Film spekuliert, dessen für Venedig vorgesehene Premiere dann angeblich aus technischen Gründen abgesagt werden musste. Sie können also nachvollziehen, wie neugierig ich war.

Die miserable Qualität der Aufnahme unterstrich, wie zweifelhaft mein Vorhaben war. Mithin habe ich schon dafür Buße getan. Besonders gut gefiel mir der Fünfzehnminüter dann auch nicht, was nicht nur der Bild-und Tonqualität zuzuschreiben ist. Die Ausgangssituation (Leonardo di Caprio und Robert de Niro müssen entdecken, dass Scorsese sie zum Vorsprechen für die gleiche Rolle eingeladen haben) ist ein wenig schmächtig. Der Film zieht sich hin auf dem Weg zu seiner Schlusspointe (es gibt einen lachenden Dritten) und auch noch danach. De Niro und Scorsese spielen ihre eigene Rolle prächtig, aber die Luft ist nach einer Weile heraus. »The Audition« ist augenblicklich als Scorsese-Film zu erkennen: die raum- und besitzergreifenden Kamerafahrten durch Hotels und Casinos, untermalt von Show Tunes aus seiner Jugend. Die Komödie war allerdings nie seine ausgesprochene Stärke – »The King of Comedy« ist zwar komisch, aber nicht lustig, und ich fürchte, »Die Zeit nach Mitternacht« hat dem Drehbuch mehr zu verdanken, als je ein auteur wie Scorsese einzuräumen bereit wäre. Aber mein Urteil ist vorläufig, ich würde dieses Nebenwerk doch gern noch einmal unter angemesseneren Bedingungen sehen.

Über einen anderen filmischen Seitensprung habe ich mir unterdessen eine klarere Meinung gebildet: Xavier Dolans Clip zu Adeles neuer Single »Hello«. An ihm finde ich vor allem erstaunlich, wie klassisch er wirkt. Er erzählt die im Song evozierte Liebesgeschichte nach, was in diesem Genre eigentlich ziemlich verpönt ist. Die heftigen Farbakzente, die Dolans Filme sonst bestimmen, fehlen ganz, da der Clip monochrom gehalten ist. Komischerweise musste ich ständig an einen alten Song von Toni Braxton denken (ich glaube, es war »Unbreak my heart«), was aber mehr an Adele lag als an ihrem Regisseur. Seit der Clip vor einer Woche veröffentlicht wurde, wurde er rund 50 Millionen Mal angeklickt, womit er mindestens zwei Rekorde bricht. Ich vermute, so viele Zuschauer werden Dolans Filme zusammengezählt in Hundert Jahren nicht haben. Was nicht im Geringsten gegen sie spricht.

Außerdem las ich gerade von zwei Filmemachern, die bei ihrem Leisten bleiben bzw. zu ihm zurückkehren. Nach gut einem Jahrzehnt will Wolfgang Petersen wieder einen Film drehen, und zwar ein Auto-Remake. Daran ist nichts Ehrenrühriges, auch John Ford, Yasujiro Ozu oder Raoul Walsh haben häufig eigene Werke neu verfilmt. Nach dem kapitalen Flop, den Petersen 2006 mit »Poseidon« einfuhr (auch das schon ein Remake und angesichts des Faibles dieses Regisseurs für Ozeane mächtig selbstbezüglich) will er nun eine Neuauflage des Fernsehfilms »Vier gegen die Bank« drehen. Der hat mich bei seiner Erstausstrahlung 1976 sehr amüsiert und ist mir nachhaltiger im Gedächtnis geblieben als manch anderer Petersen-Film. Das wird auch daran liegen, dass das Drehbuch von Wolfgang Menge stammt und die Darsteller (Herbert Bötticher, Harald Leipnitz sowie die sympathischen Ekelpakete Walter Kohut und Günther Neutze, von der tollen Karin Eickelbaum ganz zu schweigen) prächtig waren. Damals wirkte die Idee – vier eigentlich gut situierte Herren beschließen, eine Bank auszurauben, um ihren Lebensstandard in schlechter gewordenen Zeiten aufrechtzuerhalten – noch frisch. Das war vor der ersten Verfilmung von »Fun with Dick and Jane« (Das Geld liegt auf der Straße) und der »Rentnergang«, die aus ähnlichen Sujets beträchtliches komisches Potenzial schlugen. Ob dieses Remake eine gute Idee ist, scheint mir aus diversen Gründen fraglich. Ein Händchen für Komödien hat Petersen danach nicht mehr bewiesen. Und die geplante Besetzung liest sich wie eine schlimme Drohung: Herbig, Liefers, Schweiger und Schweighöfer.

Da erwarte ich den neuen Film von Ken Loach schon mit größerer Spannung. Er hat klugerweise entschieden, dass »Jimmy's Hall« doch nicht sein Abschied vom Spielfilm bleiben soll. Gerade fiel die erste Klappe für »I, Daniel Blake«. Das Drehbuch stammt von seinem alten Weggefährten Paul Laverty und handelt von einem Tischler mittleren Alters, der nun auf Sozialhilfe angewiesen ist und einer alleinstehenden Mutter beistehen will. Der Stoff lässt einen typischen Loach-Film erwarten. Das wird Manchem ebenfalls wie eine Drohung vorkommen, aber ich vermute, er wird seine robust komödiantischen Seiten haben. Ich hoffe jedenfalls, dass Loach seinen alten Elan wiederfinden wird. Und eine Menge neuen.

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