Kritik zu Eine stürmische Affäre
In ihrem Regiedebüt reichert Ludovica Rampoldi die Affäre eines verheirateten Mannes und einer jüngeren Frau mit Stalking und Sinnkrisen an.
Drei Treffen sind eine Affäre, vier Treffen sind eine Beziehung. So lautet die goldene Regel, nach der Rocco, ein bedächtiger Mittfünfziger, seine Seitensprünge bisher gemanagt hat. Doch die junge Lea, die in einer Bar seinen Weg gekreuzt hat, lässt sich nicht abschütteln. Ständig aufs Neue animiert sie Rocco zu einem Treffen und bringt ihn, der ansonsten glücklich verheiratet ist, sogar dazu, sie in seine Wohnung mitzunehmen. Man ahnt Übles. Ist Lea, Mutter einer kleinen Tochter, eine psychotische Stalkerin – oder handelt es sich beiderseitig um die große Liebe? Beide drohen die Kontrolle über ihre Gefühle zu verlieren.
Regisseurin Ludovica Rampoldi, die als Drehbuchautorin des anregenden Musik- und Frauendramas »Vivaldi und ich« bekannt wurde, legt filmische Fährten von Hitchcock über Chabrol bis hin zu »Eine verhängnisvolle Affäre«, wenn sie die intimen Schäferstündchen allmählich durch Seitenblicke auf die offiziellen Partner ergänzt. Alle haben beziehungsreiche Berufe und Hobbys: Leas Partner Andrea ist Schauspieler, Rocco Seismologe, der feinste Erschütterungen misst. Ehefrau Cecilia ist ausgerechnet Psychoanalytikerin und betrachtet Affären als Mittel zur Selbstfindung, und Lea selbst ist Journalistin und verhinderte Literatin.
Wenn die Intrige schließlich abrupt enthüllt wird, erinnert sie von weitem an »Gefährliche Liebschaften«, jenen prominent verfilmten Briefroman von Choderlos de Laclos. Doch auch wenn die Beziehungsdynamik der Viererbande ebenfalls literarisch konstruiert daherkommt, so mangelt es ihr, anders als in jenem Roman, an existenzieller Fallhöhe. Das Ensemble, darunter Altstar Valeria Golino, ist ansprechend. Besonders Pilar Fogliati als mysteriöse Lea gelingt es, sanften Grusel zu erzeugen. Und doch ist sie mehr Arlecchina als Glenn Close. Letztlich erinnert das Geplänkel an ein Stück der Commedia dell'arte, das – mit aus dem Hut gezogenen Traumata, modischem Psycho-Talk und Midlife-Crisis-Momenten – lieber ein tiefsinniges Ibsen-Drama sein möchte.




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