Kritik zu Donkey Days

© Salzgeber

2025
Original-Titel: 
Donkey Days
Filmstart in Deutschland: 
25.06.2026
L: 
108 Min
FSK: 
16

In ihrem zweiten Spielfilm analysiert Rosanne Pel die schwierige Beziehung zwischen einer Mutter und zwei ungleichen Schwestern, die in das Haus ihrer Kindheit zurückkehren

Bewertung: 4
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»Ja, wo ist sie denn?«, fragt beim Ankommen erst die Schwester Charlotte (Susanne Wolff), dann die Mutter Ines (Hildegard Schmahl). Anspannung liegt über der Szene im Fine-Dining-Restaurant, in dem den Familienmitgliedern die neue Lebensgefährtin von Anna (Jil Krammer) vorgestellt werden soll, unterlegt mit einem unheilvollen Trommelwirbel. Spätestens als der Nachtisch direkt auf der Tischplatte serviert wird, als Eiskugeln, Creme-Nocken, Früchte, Schokosoßen-Spritzer, Knusperstückchen zum essbaren Action-Painting angerichtet werden, das im Zentrum von einer fragilen Schokoladennetzhaube überwölbt ist, wird das Dinner zur Metapher für die Verwüstungen in dieser Familie, die sich peu à peu offenbaren. »Viel Vergnügen« wünscht der Kellner noch, und gierig machen sich die vier über das Kunstwerk her, um ein Schlachtfeld zu hinterlassen. Mit missgünstig taxierenden Blicken verteidigt jede den persönlichen Vorteil und zieht mit aggressivem Einsatz der Besteck-Waffen in den Konkurrenzkampf: Bloß nicht zu kurz kommen! Was führen die anderen im Schilde und wie lässt sich Terrain gewinnen?

In unterschiedlichen Konstellationen werden diese vier Frauen immer wieder aufeinandertreffen, in unregelmäßigen Abständen klinkt sich der Film in ihr Leben ein, und jedes Mal sammelt man als Zuschauer dieser elliptischen Familienerzählung Indizien für die Ursachen und Auswirkungen eines Familienkriegs, in den die beiden Frauen offensichtlich seit ihrer Kindheit verwickelt sind.

In ihrem zweiten Langspielfilm nach »Leicht wie Federn«, in dem es auch schon um toxische Familien- und Liebesbeziehungen ging, hat Rosanne Pel eine lückenhafte Erzählung konstruiert, die vom Zuschauer immer wieder detektivische Fähigkeiten fordert. Beim Essen im Restaurant erzählen die beiden jungen Frauen von einem schönen Urlaub in Schweden, da wollten sie öfter und länger hinfahren. Dem gebietet die Mutter mit matriarchaler Autorität Einhalt, der gemeinsame Frankreich-Urlaub stehe jedenfalls nicht zur Disposition, postuliert sie. Mit einem Schnitt wird man in die Zeit danach katapultiert, Annas verstockt schlechte Laune lässt ahnen, dass es wohl nicht gut gelaufen ist, darüber reden will sie nicht. Später erschließt sich das Zerwürfnis, scheinbar haben Schwester und Mutter einen frugalen Diät-Urlaub verordnet, ohne es mit ihr zu besprechen. Anna rächt sich mit bösen Spitzen gegen die Spuren des Alters, mit denen Charlotte offenbar ringt, gegen die stumpfen Haare helfe eine Essigspülung, und die »paar Falten« könne man ja weglachen …

Aus einer Fülle präzise gesetzter Bemerkungen und aus dem nuancierten Spiel der virtuos zwischen Härte und Verletzlichkeit balancierenden Schauspielerinnen erschließen sich tief sitzende Verletzungen. Die Konkurrenz der Frauen um die Gefühle der eher unterkühlt-herrischen Mutter mündet nach deren überraschendem Tod in erbitterten Erbschaftszankereien. Die Trauerfeier fällt pikanterweise auf den 85. Geburtstag, nicht leicht für die Freunde, die mit Luftballons, Blumen und Geschenken vor der Tür stehen …

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