Disney+: »Ghost Elephants«

© National Geographic

2026
Original-Titel: 
Ghost Elephants
Heimkinostart: 
08.03.2026
L: 
100 Min
FSK: 
12
S (OV): 

Regie-Altmeister Werner Herzog begibt sich auf die Suche nach einer mysteriösen Elefantenherde im Hochland von Angola – und findet einen Mythos

Ein kurzer Schatten im Gestrüpp – unscharf und ebenso blitzschnell verschwunden, wie er aufgetaucht ist. War er das? Ein Ghost Elephant? Ein Exemplar jener sagenumwobenen Elefantenherde, die sich angeblich in der schwer zugänglichen Wildnis im Hochland von Angola vor neugierigen Forscherblicken und dem grausamen Jagdtrieb der Menschen verbirgt?

Die Auflösung wird hier nicht verraten – und ist auch nicht das, worum es in der Dokumentation geht. Wen wundert’s, dass ausgerechnet der Großmeister des anekdotischen Erzählens, Werner Herzog, sie zu verantworten hat. Erst jüngst wurde ein Pinguin aus Herzogs Antarktisdoku »Begegnungen am Ende der Welt« (2007) zum weltweiten Social-Media-Phänomen. Nun begibt sich der 83-Jährige auf die Spuren eines majestätischeren Tieres.

Mit kunstvollen Unterwasseraufnahmen fängt er die anmutige Schönheit der Elefanten ein – immer ein wenig im Vagen, nur teilweise zu sehen durch die Wasseroberfläche, zwischen aufgewirbeltem Sediment und gebrochenen Sonnenstrahlen; geisterhaft eben. Kaum ein Elefant tritt je direkt ins Bild. Stattdessen kartiert die Kamera in Nahaufnahme die Landschaften, die die furchige Elefantenhaut bildet. Wie sich die grauen Falten dehnen und senken, verästeln und von borstigen Haaren durchbrochen werden. Das alles trägt zur Mystifizierung bei. Man bekommt eine Vorstellung davon, wie es frühen Menschen ergangen sein muss, wenn sie die Dickhäuter das erste Mal zu Gesicht bekommen haben und sogleich für Götter hielten.

Ihren bisher größten bekannten Vertreter, den elf Tonnen schweren Koloss Henry, ausgestellt im Smithsonian Museum in Washington, setzt Herzog an den Anfang seiner Suche: 1954 von einem ungarischen Großwildjäger in Angola erlegt, ein gigantisches Säugetier. Stammten Henrys Vorfahren aus ebenjenem Hochland? War er selbst ein Ghost?

Die Dokumentation begleitet den Biologen Steve Boyes, in dessen Augen eine unbändige Faszination für die wilden Tiere glüht. Boyes, ein bärtiger Bilderbuchforscher, stellt ein Team namibischer Fährtenleser zusammen, mit dem er durch das unwegsame Hochland schleicht, um einen Blick auf die Geisterelefanten erhaschen zu können. Aber will er überhaupt die Gewissheit, dass es sie tatsächlich gibt? Denn die wäre das Ende des Mythos. Umso weniger verwundert es, dass Herzog das Interesse zu verlieren scheint, sobald die Sache konkreter wird. Nach den umfangreichen Vorbereitungen wird die eigentliche Suche recht knapp abgehandelt. Erneut ist Herzog weniger an der faktischen Wahrheit interessiert als an ihrer Perzeption.

Ein wenig zu oft schweift die Doku dabei von ihrem Kernthema ab. Und irgendwann wirkt es bemüht, wenn die Elefanten mittels animistischer Vorstellungen noch weiter überhöht werden. Dennoch erwischt man sich dabei, eine Ehrfurcht für die Tiere zu entwickeln, wie man sie vielleicht zuletzt als Kind empfunden hat. Man kann Herzog dankbar sein, dass er in einer Welt, in der es scheinbar keine Rätsel mehr gibt, noch solche Gefühle beschwören kann.

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