Newsletter 01.10.2020

Wenig Gesten, große Wirkung

Die 17-jährige Autumn (Sidney Flanigan) ist ungewollt schwanger. Zusammen mit ihrer Cousine Skylar (Talia Ryder) macht sie sich nach New York auf, um eine Abtreibung durchführen zu lassen. Denn in ihrer Heimat in Pennsylvania kann sie mit keiner Hilfe rechnen. Einfühlsam nähert sich »Niemals Selten Manchmal Immer« dem tabuisierten wie aktuellen Thema. Die grandiosen Hauptdarstellerinnen machen dabei die komplexe Gefühlswelt ihrer Figuren durch subtiles Spiel deutlich. So schafft der Film es, zu berühren und aufzurütteln, ohne laut sein zu müssen.

Großen Anteil daran hat auch Regisseurin Eliza Hittman, die ein feines Gespür für die kleinen aber umso bedeutenderen Momente zeigt. Jugendliche Identitätsfindung hat sie auch schon in ihren vorherigen Filmen »It felt like love« und »Beach Rats« thematisiert. In der Nahaufnahme porträtiert Jens Balkenborg Eliza Hittman und würdigt den feministischen Blick, der ihre Filme prägt.

»Niemals Selten Manchmal Immer« wurde auf der Berlinale mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet und ist Film des Monats Oktober der Jury der Evangelischen Filmarbeit.

Mit nur drei Spielfilmen hat ­Eliza ­Hittman sich als eine der ­wichtigsten ­amerikanischen Independent-Regisseur:innen etabliert. Ihre Spezialität: die Erfahrungen von Jugendliche

31. Hessischer Film- und Kinopreis 2020

Auf einer Pressekonferenz am 28.9. wurden die Nominierten sowie erste Preisträger für den 31. Hessischen Film- und Kinopreis 2020 bekannt gegeben. Aufgrund der Corona Pandemie muss die Preisverleihung in diesem Jahr allerdings in deutlich kleinerem Rahmen stattfinden
Filme der Woche: 

Niemals Selten Manchmal Immer

Um eine ungewollte Schwangerschaft ohne elterliche Zustimmung beenden zu können, reisen zwei Teenagermädchen aus dem ländlichen Pennsylvania nach New York. Mit unaufgeregter Genauigkeit und leiser Intensität entfaltet Eliza Hittman ein Abtreibungsdrama, das zugleich Road Movie, Coming of Age-Geschichte, #metoo-Drama und vor allem die Geschichte einer innigen Solidargemeinschaft unter Frauen ist

Enfant Terrible

Die Hommage des Enfant Terrible Oskar Roehler an das Enfant Terrible Rainer Werner Fassbinder trifft mit stilisierter Ästhetik genau den richtigen Ton. Neben grellen Anekdoten zeigt sie auch eine leise, verletzliche Seite des Künstlers – der von Oliver Masucci ganz hervorragend gespielt wird

On the Rocks

Sofia Coppola schickt Rashida Jones und Bill Murray als skurriles, dysfunktionales Vater-Tochter-Gespann auf der Spur eines vermeintlichen Ehebrechers durch New York. Gediegen-geschmackvolle Großstadt-Komödie, deren Generationenkonflikt sich arg fluffig in Wohlgefallen auflöst