Venedig: Starpower trifft Weltpolitik
Sala Grande. © La Biennale di Venezia
Am 2. September werden die 83. Filmfestspiele von Venedig eröffnet. Das Programm verheiratet einmal mehr Kinoprominenz und internationales Autorenkino. Oasis kommen auch
Die Brüder Liam und Noel Gallagher bei den Filmfestspielen auf dem Lido?! Dio mio! Auch wenn Musikdokus gerade das Kino fluten: Ein bisschen Romantik für den groß angekündigten Dokumentarfilm »Oasis: Don't Look Back In Anger« scheint angebracht. Denn während die Welt in Trümmern liegt, haben sich die Gallagher-Brüder nach rund 20 Jahren öffentlicher Streitereien wieder zusammengerauft für ihre Reunion-Tour »Oasis Live '25«, die Steven Knight, Will Lovelace und Dylan Southern mit der Kamera begleitet haben. Versöhnet euch, es ist möglich!
Bei den 83. Filmfestspielen von Venedig, die am Mittwoch eröffnen, läuft der Film außer Konkurrenz. Ein Pfund von nicht wenigen für den künstlerischen Leiter Alberto Barbera, der in diesem Jahr einmal mehr Kinoprominenz und internationales Autorenkino in seinem Wettbewerb verheiratet, in dem 21 Filme um die Löwen konkurrieren – Juryvorsitzende ist die amerikanische Schauspielerin und Regisseurin Maggie Gyllenhaal. Dass May el-Toukhy mit ihrem im Dänemark der Nachkriegszeit angesiedelten Historiendrama »Woman Unknown« die einzige Regisseurin im Wettbewerb ist, wurde im Vorfeld von italienischen Filmverbänden kritisiert – Barbera verteidigte fadenscheinig, dass qualitative Kriterien dazu geführt hätten.
Mit »Naza« von Yuval Abraham und Rachel Szor wurde kurz vor Festivalbeginn der Film mit dem größten Potential zur Kontroverse nominiert. 2025 gewannen die beiden für den Dokumentarfilm »No Other Land« über israelische Siedlungspolitik im Westjordanland einen Oscar. Der Dokumentarfilm »Naza« beleuchte laut Filmbeschreibung detailliert die »Systeme hinter Israels gezieltem massenhaften Töten palästinensischer Zivilisten in Gaza«.
Dass die routinemäßige Pressekonferenz der Jury erst abgesagt wurde und nun doch stattfinden soll, sorgte in der Branche für Spekulationen über Sorgen des Festivals vor politischen Fragen. Barbera betonte bereits bei der Vorstellung des Programms, dass sich aktuelle Themen wie Kriege, Einwanderung, Klimawandel, wachsende soziale Spannungen und autokratische Tendenzen im gesamten Programm spiegelten. Der iranische Regisseur Ali Asgari erzählt in »A Bit of Light« von einem Arzt, der in Teheran verhaftet wird und Konsequenzen zieht. Außerhalb des Wettbewerbs läuft der Dokumentarfilm »Road to Jericho«, in dem der israelische Regisseur Amos Gitai das Vermächtnis von Jitzchak Rabin anhand einer Reise von Jerusalem nach Jericho erkundet. Oder Alex Gibneys Dokumentarfilm »Musk« über den Tech-Milliardär.
Ansonsten geben sich auf der Mostra Stars und Altbekannte die Klinke in die Hand. Robert Pattinson spielt in Lance Oppenheims Thriller »Primetime« einen Investigativ-Journalisten, der für eine True-Crime-Serie pädophile Männer ködert. Javier Bardem und Penélope Cruz sind in Florian Zellers Thriller »Bunker« als Ehepaar zu sehen, das auf eine harte Probe gestellt wird, Ellen Burstyn, Taika Waititi und Pamela Anderson in Kornél Mundruczós Drama »Place to Be«, in dem sich die Wege einer älteren Frau und eines Mannes mittleren Alters kreuzen. Gemeinsam mit George Clooney erhält Burstyn den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk.
Heiß erwartet wird auch der neue Film von Martin McDonagh, dessen historische Tragikomödie »The Banshees of Inisherin« 2022 auf dem Lido doppelt ausgezeichnet wurde. Sein Agententhriller »Wild Horse Nine« handelt von zwei CIA-Agenten, die in Chile stationiert sind und auf die Osterinsel versetzt werden, von wo aus sie 1973 den Militärputsch in Chile miterleben. In den Hauptrollen sind John Malkovich, Sam Rockwell und Steve Buscemi zu sehen. Für freudig schwitzige Hände bei Arthouse-Fans sorgen die Manga-Verfilmung »Look Back« von Hirokazu Kore-eda und »Possible Love« über zwei verheiratete Paare von Lee Chang-dong.
Deutschland wird im Wettbewerb von Werner Herzog vertreten, der seine internationale Produktion »Bucking Fastard« präsentiert. Der Film, in dem Orlando Bloom und die Schwestern Kate und Rooney Mara mitspielen, erzählt von Zwillingsschwestern, die alles miteinander teilen. Außer Konkurrenz läuft Wim Wenders' Dokumentarfilm »From Inside Out – The Architecture of Peter Zumthor«.
Eröffnet wird das Festival mit Danny Boyles »Ink« über den Aufstieg des britischen Revolverblatts »Sun« nach der Übernahme durch Rupert Murdoch Ende der Sechzigerjahre.






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