Netflix: »The Last House«

englisch © Netflix

Visuell ambitionierter und prominent besetzter ­Gruselfilm von Louis Leterrier

Wir sehen das Monster nicht, aber wir hören es. Wenn es aus dem Dunkeln »Ök-ök-ök« ruft, dann ist dies ein verlässliches Signal für Gänsehaut. So geschah es in »Stranger Things« und in zahllosen thematisch verwandten Genrebeiträgen. Und so ist es auch in »The Last House«, einer Produktion, die den unersättlichen Hunger der Streamingnutzer nach Gruselfilmen stillen soll.

Jason (Wagner Moura) lebt mit seiner vierköpfigen Familie in einer typisch amerikanischen Suburb-Siedlung. Seine Frau Ann (Greta Lee) tadelt ihn, weil er kaum einen Namen der Nachbarfamilien kennt. Diese symptomatische Isolation wird sich drastisch verstärken. Denn als die Familie zum Shoppen aufbrechen will, sind alle Türen hermetisch verriegelt. Fensterscheiben lassen sich selbst mit brachialer Gewalt nicht einschlagen, die Splitter verwachsen auf mysteriöse Weise. Die Familie ist gefangen im eigenen Haus.

Das ist die Ausgangssituation des neuen Netflixfilms von Louis Leterrier. Der aus der Luc-Besson-Schule stammende Franzose, der stilsicher Actionmotive mit den Maßstäben des Hollywood-Blockbusters verbindet, greift auf einen Stoff zurück, zu dem der Drehbuchautor Matthew Robinson während der Corona-Pandemie inspiriert wurde. Statt dem Virus zwingen (zunächst unsichtbare) Monster alle Menschen in die Isolation. Strom gibt es noch, sonst würde ja der Kühlschrank nicht laufen. Da man sich mit Nachbarn nur via Schrifttafeln verständigen kann, haben die ominösen Kreaturen offenbar das Telefon lahmgelegt. Wie? Das wird nicht klar.

Durchdacht ist dieser Plot nicht. Entsprechend teilnahmslos verfolgt man den Überlebenskampf der Familie, die sich über fünf Jahre durchschlägt. Nach dem Verzehr aller Vorräte entwickelt der passionierte Ingenieur Jason eine steuerbare Käfigfalle, die er durch den Schornstein nach außen befördert und dank der die Familie mit essbaren Kleintieren versorgt wird. Der comicartige Charme dieser Apparatur verdeutlicht, dass der Film das eigentlich spannende Survival-Thema nicht allzu ernst nimmt.

Das zentrale Motiv ist der sukzessive Umbau einer spießigen Einfamilienimmobilie in ein hippieartiges Gewächshaus, in dem die Selbstversorger sich buchstäblich homegrown ernähren. Computergenerierte Bilder werden dabei mit handgemachten Tricks kombiniert, die eine physische Verbindlichkeit ausstrahlen. Dieses Konzept des »realistischen« Irrealen verpufft jedoch vollkommen mit dem Auftauchen glibberiger Aqua-Monster, die Captain Davy Jones aus »Fluch der Karibik« nachempfunden scheinen. Um diese Meeresmonster bedrohlich erscheinen zu lassen, wird das Haus zu einem Aquarium geflutet. Das ist so plausibel wie der weiße Hai in der Wüste.

Der Film mutet an, als ob man ChatGPT beauftragte: Kombiniere das Haunted-House-Thema mit dem Motiv eines Monsters. Das Ergebnis ist schrill – aber leider auch konfus und nicht wirklich durchdacht.

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