FilmStoffEntwicklung

Lernen wie man es (besser) macht

Lag es daran, dass die Veranstaltung in diesem Jahr pandemiebedingt erstmals online stattfand oder zeigt es auch die gewachsene Bedeutung von Autoren angesichts des Stoffhungers der Streamingdienste? Jedenfalls verzeichnete der »Tag der Dramaturgie« mit der Veranstaltung »Filmstoffentwicklung«, organisiert vom Verband für Film- und Fernsehdramaturgie (VeDRA), mit über 450 Anmeldungen in diesem Jahr eine noch größere Teilnehmeranzahl als beim letzten Mal, 2018.

Die dreizehn Panels waren diesmal zeitlich leicht verkürzt (60 statt 75 Minuten), es gab nur jeweils zwei parallele Veranstaltungen, wo bislang drei die Teilnehmer vor die Qual der Wahl gestellt hatten.

In den drei Jahren, die seit der letzten Veranstaltung vergangen waren, hat sich einiges getan, darauf verwies die VeDRA-Vorsitzende Eva Fahmüller gleich in ihrer Begrüßung und nannte die »Produktionsoffensive« von Netflix und den Produktionsboom für die Mediatheken, das gewachsene Interesse an Showrunnern für serielle Formate, das vermehrte horizontale Erzählen und »Kontrakt 18«.

Entsprechend behandelte auch gleich eines der ersten Panels das Thema »Gleichstellung und Diversität in der Stoffentwicklung«, bei dem u.a. eine ZDF-Redakteurin von entsprechenden Anstrengungen berichtete und eine Vertreterin der UFA erläuterte, wie deren Selbstverpflichtung, bis 2024 in ihren Produktionen die Diversität der Gesellschaft abzubilden, erreicht werden soll. In einem weiteren Panel ging es um »Digital Storytelling«, also um ganz kurze Erzähleinheiten, ausgerichtet auf ein junges Publikum, das sie auf YouTube konsumiert oder auf auf TikTok, einer reinen Videoplattform mit Beiträgen von maximal drei Minuten Dauer. Dass auch das reine Hören gerade einen Boom erlebt, war Thema eines Panels zum Thema »Audiowelten«, dessen Titelzusatz »Akustisches Erzählen im Umbruch« schon darauf verwies, dass sich auch hier vieles ändert. Neuartig auch die Serie (RTL+) »KBV – Keine besonderen Vorkommnisse«, mit ihrem minimalistischen Setting (jeweils zwei Darsteller in drei verschiedenen Locations) als »Langeweile in Bestform« betitelt. Während das australische Original »No Activity« komplett improvisiert war, setzte man in der deutschen Adaption auf eine Mischung aus gescripteten und improvisierten Szenen, die den Schauspielern (u.a. einem erst auf den zweiten Blick erkennbaren Jürgen Vogel) viele Möglichkeiten boten.

Wie schon bei den vorangegangenen Veranstaltungen war auch diese am informativsten, wenn konkret an einzelnen Stoffen entlang gearbeitet wurde. So wurde anhand von »Babylon Berlin« aufgezeigt, wie sich einzelne Figuren und Erzählstränge innerhalb der einzelnen Folgen und über die ganze Staffel entwickelten, und wie das mit Hilfe von bestimmten Tools analysiert und optimiert werden konnte. Bei Maria Schraders »Ich bin dein Mensch« ging es um die Entwicklung von der zugrundeliegenden Kurzgeschichte zum Filmdrehbuch. Ko-Autor Jan Schomburg und der zuständige SWR-Redakteur Jan Berning erläuterten Unterschiede und Akzentverschiebungen. Dabei erfuhr man auch, dass der Film Bestandteil einer dreiteiligen Reihe ist, die in Kürze in der ARD ausgestrahlt wird.

Auch für jemand, der nie eine Folge der Vorabendserie »SOKO Wismar« gesehen hat, war das Panel unter dem Titel »Kreativität im abgesteckten Rahmen« aufschlussreich: wie schafft man es, in 43 Minuten nicht nur Spannung zu erzeugen, sondern auch Interesse für die Episoden-Figuren zu generieren? Verblüffend zu sehen, wie bei der behandelten Folge im Lauf der Vorarbeiten der Täter ausgetauscht wurde, weil das Motiv »Eifersucht« mehr Emotionen beinhaltete als das ursprüngliche, »Gier«. Zum Abschluss ging es dann um »Fabian«, zu dem Regisseur Dominik Graf und Drehbuchautor Constantin Lieb im Gespräch mit Roland Zag detailgenaue Auskünfte gaben über die Stoffentwicklung und die damit verbundenen Probleme. Ein erkenntnisreicher Tag.

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