Kritik zu Yuli

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Die Lebensgeschichte des kubanischen Ausnahme-Tänzers Carlos Acosta, erzählt durch den Filter eines sozialbewussten Drehbuchs des Briten Paul Laverty und der poetisch gesinnten Regie der Spanierin Icíar Bollaín

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»Yuli« böte den Stoff für ein ergreifendes Biopic: Ein Junge von den Straßen Havannas wird, getrieben durch den Vater, zu einem weltbekannten Balletttänzer, sogar zum ersten schwarzen Romeo auf großer Bühne. Yuli nennt der Vater ihn, nach einem afrikanischen Kriegsgott. Das sind Geschichten, die das Leben schreibt, Grundlage für Paul Lavertys Drehbuch war die Autobiografie »Kein Weg zurück« des kubanischen Tänzers Carlos Acosta. Das sind aber auch Geschichten, die im Kino gerne mit einer dicken Portion Zuckerwatte und Drama überzogen werden. Das gilt, zumindest größtenteils, nicht für »Yuli«.

Regisseurin Icíar Bollaín und Autor Paul Laverty, der bereits viele Drehbücher für Ken Loach geschrieben hat, zuletzt »Ich, Daniel Blake«, erzählen die Geschichte mit Ruhe, zartem Humor und einer klugen filmischen Form. Da ist einerseits die Rahmenhandlung, in der es um den gealterten, sich selbst spielenden Acosta geht, der mit einer Gruppe Tänzerinnen und Tänzern an einer Tanzperformance über sein Leben arbeitet. Diese Ereignisse werden verwoben mit den Erinnerungen Acostas. Der Film spannt einen Bogen über 40 Jahre: Angefangen in der Kindheit des Tänzers, der eigentlich Fußballspieler werden will, »wie Pelé«, dann aber von seinem Vater Pedro auf die staatliche Ballettschule gezwungen wird; weiter, wie er sich berappelt, Preise gewinnt und als 18-Jähriger beim English National Ballet in London verpflichtet wird.

Die dramatischen Fallstricke der Geschichte werden »outgesourct«, indem sie dem für diesen Film passendsten emotionalen Ausdrucksmittel überlassen werden: dem Tanz. In geschickten Montagen mit Performances aus der Rahmenhandlung wird der Tanz zum psychoanalytischen Katalysator. Die Erinnerung daran, dass Carlos von seinem Vater mit einem Lederriemen verprügelt wird, mündet etwa in einem duellierenden Tanz, in dem ebenfalls ein Riemen zum Einsatz kommt. Auch Carlos' Angst und das Gefühl des Gefangenseins, das ihn in dem Tanzinternat, in das er gesteckt wird, heimsucht, wird tänzerisch zum Ausdruck gebracht. Hier symbolisieren geschickte Schattenspiele die geistigen und physischen Gitterstäbe.

Mit den originellen Wechseln zwischen Tanz und Erzählung entspinnt sich ein ungewöhnliches Biopic. Ganz gelingt es allerdings nicht, die anfängliche innere Spannung aufrechtzuerhalten. Die Erzählung verliert ein ums andere Mal an Dringlichkeit und dreht in ein paar Gesprächen zu viel Pirouetten um Carlos sagenumwobenes Talent und seine Künstlerwerdung. Auch die Geschichte der Rahmenhandlung außerhalb der Tänze bleibt ziemlich dünn.

In Schlaglichtern erzählt »Yuli« zudem die Geschichte einer Familie und, am Rande, die Kubas von den 80er Jahren bis in die Gegenwart. Der Film bleibt hier ebenfalls angenehm geerdet und wird nicht zum triefenden Sozialdrama. Am Ende ist »Yuli« das Porträt eines interessanten Mannes, der mit etwas, das er nicht machen wollte, zu Weltruhm gelangte, seiner Heimat aber immer treu geblieben ist.

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