Kritik zu Wuff

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In Detlev Bucks neuer Komödie sind es die Vierbeiner, die dem Ensemblefilm um allerlei Großstädter in diversen privaten und beruflichen Krisen seine Erzählstruktur verleihen

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Gerade erst Rudi Gauls »Safari«, demnächst Sandra Nettelbecks »Was uns nicht umbringt« und zwischendurch Detlev Bucks »Wuff – Folge dem Hund«: das deutsche Kino entdeckt (wieder) den Ensemblefilm miteinander verzahnter Geschichten um Großstädter auf der Suche nach Liebe, die am Ende jenes Wohlfühlkino produzieren, das in Großbritannien die Produktionsfirma Working Title mit Filmen wie »Tatsächlich Liebe« perfektioniert hat.

Das Resultat ist dabei vorhersehbar; wer im Kino auf Verstörendes oder Unerwartetes setzt, ist hier fehl am Platz. Im besten Fall begegnet er Figuren, die ein wenig neben der Spur sind und den Schauspielern Möglichkeiten bieten, ihnen ihren Stempel aufzudrücken. In »Wuff – Folge dem Hund« sind es Hunde, die die Menschen verbinden. So etwa den Starpianisten Max (Urs Jucker) und seine Ehefrau Cecile (Johanna Wokalek), springt doch der massige Simpson Max jedes Mal an. Dass das in diesem Fall in einer Auflösung mündet, die überrascht, gehört zu den Pluspunkten des Films. Hundetrainerin Silke (Marie Burchard) kommt perfekt mit jedem noch so schwierigen Hund zurecht, hat mit ihrer direkten Art aber verständlicherweise Probleme mit anderen Zweibeinern. Die Journalistin Ella (Emily Cox) hat daran zu knacken, dass der erwartete Karrieresprung in der Redaktion nicht ihr, sondern ihrem Freund Oscar (Holger Stockhaus) gelingt – was der Chefredakteur (Harald Martenstein) damit begründet, er hätte gehört, die beiden wollten bald eine Familie gründen und da bräuchten sie doch abends Zeit füreinander… Damit ist nicht nur Ellas Karriere geknickt, sondern auch die Beziehung zu Oscar – statt mit ihm teilt sie die Wohnung fortan mit einem Hund aus dem Tierheim. Ganz und gar unfreiwillig kommt Oli (Frederick Lau) zu einem Hund: der ehemalige Profifußballer, der seit einer Knieverletzung hohe Spielschulden hat, soll auf den Hund einer alten Nachbarin aufpassen, als die ins Krankenhaus muss – was zunehmend länger dauert.

Das Drehbuch von Andrea Willson, Co-Autorin von Karoline Herfurths »SMS für dich« und Matthias Schweighöfers »Vaterfreuden«, führt diese verschiedenen Geschichten nicht ungeschickt, aber eben weitgehend vorhersehbar zusammen, setzt auf bewährte dramaturgische Elemente wie die Eifersucht und den Druck, der auf einzelnen Protagonisten lastet, sei es beruflicher oder finanzieller Art. An zwei Stellen gibt es kleine Überraschungsmomente, als die Protagonisten mit ihrem offenbar spontanen Handeln nicht nur die Zuschauer, sondern auch ihr Gegenüber verblüffen – doch das erweist sich in der nächsten Szene als bloße Fantasie des Augenblicks. Hundeliebhaber werden bei dem Film vermutlich trotzdem auf ihre Kosten kommen, auch als Berlin-Werbung ist »Wuff« geeignet, so oft wie altbekannte Wahrzeichen ins Bild gesetzt werden. Immerhin lohnt es sich, bis zum Ende des Nachspanns zu bleiben, denn zu dem hören wir das Gedicht »Alle Hunde dieser Welt« von Ernst Kahl & Hardy Kayser, unterlegt mit hübschen Zeichnungen von Eva Muggenthaler.

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