Kritik zu Vaterfreuden

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Murmel Clausens Roman »Frettsack« lieferte die Vorlage: Auch in seinem ­dritten Film in Eigenregie setzt Matthias Schweighöfer auf die bewährte Mischung aus ­rustikalem Humor und jungenhaftem Charme

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Die Latte wurde schon im Trailer klar gesetzt: Da liegt der von Matthias Schweighöfer gespielte Felix hilflos ans Bett gefesselt, während zwischen seinen nackten Beinen mit gefährlich scharfen Zähnen ein Frettchen interessiert über die Bettkante schaut. Felix ist wie die anderen Schweighöfer-Helden der nette Junge von nebenan, der solche Spielchen selbst wohl nie anstiften würde, hier aber einer wild gewordenen Braut in die Fänge geraten ist, die Lust auf Rodeo-Sex und Fesselspiele hat. Die Steilvorlage hat Matthias Schweighöfer von Murmel Clausens Roman »Frettsack« übernommen, als grobes Gerüst, das er mit den seit What a Man und Schlussmacher bewährten Zutaten auffüllt.

In einer Mischung aus liebenswert scheuem Jungencharme und ziemlich deftigem Humor geht er auch hier den Lebensfragen der Thirtysomethings nach: Beziehung oder nicht? Kinder ja oder nein? Doch im Gegensatz zu Schweighöfer, der als Vater, Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller jede Menge Verantwortung und Verpflichtungen übernimmt, zögert sein filmisches Alter Ego da noch, jedenfalls bis ihm das von seinem Bruder Henne angeschleppte Frettchen Karsten Druck macht. Das Tier hat eine besondere Vorliebe für mit Honig bestrichene Möhren, nimmt zur Not aber auch mal mit einem männlichen Glied vorlieb, sofern es mit Honig bestrichen ist. »Also, ficken geht noch«, informiert ihn unverblümt die Krankenschwester (Margarita Broich in einem von zahlreichen Cameo-Auftritten aus Schweighöfers weiterem Umfeld), »aber das Tier hat sie sterilisiert«. Zum Glück hat Felix kurz zuvor unter dem Motto »Geld verdienen, ohne zu arbeiten« eine Samenspende verkauft, die nun seine letzte Hoffnung auf ein leibliches Kind darstellt, allerdings nach den Informationen, die sein Bruder beschafft, bereits vergeben ist. So beginnt eine komplikationsreiche Jagd auf das Kind, in deren Verlauf sich Felix natürlich in die Mutter, die Sportreporterin Maren (Isabell Polak) verliebt.

Allein hätte Felix sein Leben ja noch einigermaßen im Griff, würde nicht sein Bruder Henne ständig Sand ins Getriebe streuen, das heißt, Vaterfreuden funktioniert im Wesentlichen nach demselben Grundprinzip wie seine beiden Vorgänger, nach Frankfurt und Berlin jetzt eben in München. Der provisorische Status quo einer beziehungsscheuen Existenz wird von einem tollpatschig chaotischen Sidekick so durcheinandergewirbelt, dass schließlich das emotionale Vakuum gefüllt wird. Nach Milan Peschel in Schlussmacher übernimmt diese Rolle jetzt Friedrich Mücke, und die beiden sind ein schönes Gespann, was auch damit zu tun hat, dass sich der Humor nicht mehr ständig auf dem untersten Niveau von Kloschüssel und sich verselbstständigendem Riesendildo bewegt. In den im Netz kursierenden Making-of-Schnipseln sieht man ein paar Jungs, die sich köstlich amüsieren, albernd, feixend und sprudelnd vor Ideen. Auch wenn das Ganze nicht gerade leichthändig konstruiert ist, sind die Albernheiten doch fest in der Wirklichkeit verwurzelt, mit all den Ängsten, Freuden und Frustrationen, von denen Eltern am Spielplatzrand erzählen.

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